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Die Preise für Erdöl steigen stetig.

© Bild: RTS/ISMAIL ZITOUNI
Wirtschaft
05.12.2011

Ölpreise in einer "Gefahren-Zone"

Das derzeitige Preisniveau von mehr als 100 Dollar sei eine Bedrohung für die Erholung der Weltwirtschaft, sagt Energie-Experte Fatih Birol.

Mitte der Woche stellte die Internationale Energieagentur (IEA) ihren jährlichen "World Energy Outlook" vor. Das energetische Zukunftsbild, das die Behörde malt, ist wenig erfreulich. Der Verbrauch werde bis 2035 um zumindest ein Drittel zulegen, und damit auch Preise und Treibhausgase. Obwohl die Bedeutung von Erneuerbarer Energie zunehmen werde, der Hauptteil des Nachfrage-Zuwachses dürfte durch Öl, Kohle und Gas gedeckt werden. Die IEA ruft die Regierungen weltweit zur Kehrtwende in der Energiepolitik auf.
Verantwortlich für den vielbeachteten Bericht zeichnet der Chefökonom der Energieagentur, Fatih Birol. Der KURIER sprach mit ihm über steigende Ölpreise, Energie-Armut und den Klimawandel.

KURIER: Sind die aktuellen Ölpreise eine Gefahr für die Weltwirtschaft?
Fatih Birol: In der Tat, ich würde sagen, die Ölpreise bewegen sich bereits in einer "Gefahren-Zone", was die Erholung der Weltwirtschaft anbelangt. Man muss bedenken, dass die Ölpreise heuer durchschnittlich höher sind als im Hochpreis-Jahr 2008. Das sind keine guten Vorzeichen. Denn was damals folgte, ist bekannt - Stichwort Finanzkrise und Rezession.

Warum verharren die Ölpreise auf dem hohen Niveau von mehr als 100 Dollar? Europa steckt mitten in einer Staatsschuldenkrise und ein massiver Konjunkturabschwung zeichnet sich ab.
Zum einen kommt das Wachstum der Ölnachfrage nicht aus Europa, sondern aus China, Indien und dem Mittleren Osten. In diesen Staaten geht es der Wirtschaft nach wie vor gut. Darüber hinaus gibt es große Fragezeichen hinsichtlich der Ölproduktion. Wird sie in Zukunft hoch genug sein, um die steigende Nachfrage zu befriedigen? Auch das wird von den Akteuren an den Märkten als preistreibender Faktor gewertet.

Wie teuer wird das schwarze Gold 2015 sein?
Wenn nichts Gravierendes passiert, dann rechne ich mit Preisen rund um 120 Dollar. Dafür müssen aber die großen Förderländer im Mittleren Osten und in Nordafrika massiv in ihre Produktionsinfrastruktur investieren. Wenn dies, etwa als Konsequenz des Arabischen Frühlings, nicht passiert, könnten die Preise auf 176 Dollar hochschnellen.

Wenn der Ölpreis tatsächlich eskaliert - wen trifft es am härtesten?
Natürlich würden die Industriestaaten im Westen Probleme mit steigender Inflation bekommen. Aber es gibt arme Länder auf der Welt, in Afrika und Asien, deren Stimme wir selten wahrnehmen - und die würden die größten Probleme bekommen. Denn sie müssen einen substanziellen Anteil ihres Bruttoinlandsproduktes aufwenden, um ihre Ölrechnung zu zahlen.

Was würden Sie als die größten Herausforderungen bezeichnen, die die Welt im großen Themenfeld der Energie zu meistern hat?

Zum einen würde ich die bereits angesprochene Gefahr benennen, dass die Ölpreise wegen mangelnder Investments nach oben schnellen. Die zweite große Herausforderung ist der Klimawandel. Unsere Analysen zeigen, dass die Gefahr besteht, dass die globale Durchschnittstemperatur um sechs Grad zunehmen könnte - mit katastrophalen Auswirkungen auf unseren Planeten.

© Bild: RTS/ISMAIL ZITOUNI

Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 wurde beschlossen, dass dieser Anstieg auf zwei Grad beschränkt werden muss.
Wenn wir keinen umfassenden neuen Investmentpfad für saubere Energie bis 2017 beschließen, dann wird sich die Tür für das Zwei-Grad-Ziel für immer schließen. Doch die verantwortlichen Politiker sollten natürlich bereits viel früher zu einem entsprechenden Beschluss kommen, beispielsweise auf der Klimakonferenz in Durban, Südafrika, im Dezember.

Zur Person: Energie-Experte Fatih Birol
Die Internationale Energieagentur in Paris ist eine Plattform, auf der sich ihre 28 Mitgliedsstaaten (darunter auch Österreich) in Energiefragen abstimmen können. Die IEA verfügt auch über Ölreserven, mit denen sie am Ölmarkt eingreifen kann.
Der Türke Fatih Birol (53) ist der Chefökonom der IEA. Das US-Magazin Forbes zählt ihn zu den einflussreichsten Personen der Energie-Branche. Birol wurde 2007 die Goldene Ehrenmedaille der Republik Österreich verliehen.

BP-Chefökonom: "Klimawandel ist unaufhaltbar"
Trotz aller Bemühungen zur Reduktion des Ausstoßes an Treibhausgasen werden die -Emissionen in den nächsten 20 Jahren weiter zunehmen. "Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten", ist Christof Rühl, Chefökonom des Energiekonzerns BP, überzeugt.
Seine Einschätzung basiert auf einer Analyse des globalen Energieverbrauchs in den vergangenen Jahrzehnten und der Prognose der Verbrauchsentwicklung bis 2030. Demnach wird der Einsatz von klimafreundlichen erneuerbaren Energien zwar jährlich um 8,2 Prozent wachsen. Dennoch wird deren Anteil am globalen Energieverbrauch 2030 nur fünf Prozent erreichen. "Die globalen Klimaziele, bis 2100, den Anstieg der Durchschnittstemperatur auf zwei Grad zu begrenzen, sind zu ambitioniert und mit zu hohen Kosten verbunden", sagt Rühl. Statt Klimazielen nachzulaufen, die nicht realistisch sind, sollten die Politiker lieber überlegen, wie die Welt auf die Temperaturveränderungen reagieren kann.
Den Prognosen von BP zufolge werden die fossilen Energieträger Öl, Kohle und Erdgas im Jahr 2030 noch immer 80 Prozent des Gesamtverbrauchs ausmachen. Und der weltweite -Ausstoß wird dann um 27 Prozent höher sein als heute.