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20 Firmen sponsern Hörsäle und Räume an der WU, die Uni Wien will dem Beispiel folgen © Bild: KURIER/Christandl Jürg
Ausverkauf
30.10.2013

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20 Firmen sponsern Hörsäle und Räume an der WU, die Uni Wien will dem Beispiel folgen

Wenn der Aufenthalt in der Uni-Bibliothek oder im Hörsaal das dringende Bedürfnis weckt, zur nächsten Tankstelle zu fahren, einen Energydrink zu kaufen oder eine Bank aufzusuchen, könnte es am Sponsoring liegen. Zumindest was die Studierenden der Wirtschaftsuniversität betrifft: Nicht nur lesen sie seit Mitte September im „OMV Bibliothekszentrum“ am neuen Campus, auch die Hörsäle wurden an spendable Unternehmen „verkauft“: Gelehrt wird ab sofort in Hörsälen mit Namen Red Bull, Siemens, Festo, E&Y. Gelernt wird im Raiffeisen Sprachlernzentrum und in der UNIQA Studierenden-Lounge. Zwölf Unternehmen haben Räume der WU mit Umbenennung gesponsert, acht – wie Coca Cola, Generali und Henkel – spendeten ohne Umbenennung. 1,2 Millionen Euro erhält die WU insgesamt im Jahr. Sieben Hörsäle, vier Lounges und diverse Projekträume stehen Sponsoren noch offen. Was an privaten US-Universitäten Usus ist, hält nun also auch an heimischen Unis Einzug.

Die OMV hat an der WU neben dem Bibliothekszentrum einen Stiftungslehrstuhl am Institut für Social Entrepreneurship, Sustainability and Performance Management gesponsert, rund 800.000 Euro hat sie insgesamt gespendet. Rektor Christoph Badelt sieht hier keine schiefe Optik, die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre sei gewahrt: „Die Entscheidung, wer die Professur bekommt, trifft die Universität.“ Auch inhaltlich sei man unabhängig. Zudem habe die WU ein Gesamtbudget von 100 Millionen Euro, „das sollte man in Relation sehen.“ Die Verträge seien transparent, man habe als Uni Personalhoheit und müsse darauf vertrauen, dass die Wissenschaftler sich nicht von Sponsoren beeinflussen lassen. Je mehr Sponsoren, desto geringer sei das Abhängigkeitsverhältnis. „Grundlagenforschung über private Gelder zu finanzieren, wäre nicht wünschenswert.“

"Gefährliches" Sponsoring

Für ÖH-Vorsitzenden Florian Kraushofer ist das Hörsaal- und Professurensponsoring sehr wohl „ein Armutszeugnis und gefährlich“: „Es sollte selbstverständlich sein, dass der Staat solche Einrichtungen ausreichend finanziert, damit die Universitäten so etwas nicht nötig haben.“ Die Gefahr bestünde darin, dass die Uni die kritische Distanz in Forschung und Lehre gegenüber großen Unternehmen nicht wahren könne: „Es wird weniger kritische Ansätze gegen das vorherrschende ökonomische System geben, wenn man sich von denjenigen sponsern lässt, die davon profitieren“, sagt Kraushofer.

Unruhe-Stifter

In der Schweiz hat das Uni-Sponsoring für Wirbel gesorgt. Die Bank UBS finanziert mit 100 Millionen Franken (80 Mio. Euro) ein wirtschaftswissenschaftliches Forschungszentrum mit fünf Lehrstühlen an der Universität Zürich. Nach Protesten muss die Uni den Kooperationsvertrag großteils offenlegen. Für WU-Rektor Badelt seien das ganz andere Dimensionen, nicht vergleichbar mit den OMV-Geldern. „Und unsere Verträge sind transparent.“

Auch Hochschulforscher Hans Pechar findet nichts Negatives am Uni-Sponsoring: „ Stiftungsprofessuren wie jene der OMV an der Montanuni betreffen angewandte Forschung.“ Dass die Stifter interessiert seien, das am Studiengang praxisrelevantes Wissen vermittelt wird, sei keine Einschränkung akademischer Autonomie. Doch: „Wenn ein Unternehmen durchsetzen wollte, dass im Studiengang die Lehre verwässert wird, ist das inakzeptabel.“ Laut Pechar sei die Finanzierung unbedenklich, solange die Unis die Spenden autonom verwalten. Für die Wahrung der Unabhängigkeit in Lehre und Forschung müssten die Universitäten selbst sorgen. Nachsatz: „Auch die Abhängigkeit von staatlicher Finanzierung ist nicht immer problemlos.“

Nicht nur an der WU, auch andernorts freut man sich über spendable Konzerne: Die Universität Wien hatte bereits einige Stiftungsprofessuren, beispielsweise mit der Telekom Austria. Für weitere und für Sponsoring-Akivitäten sei man offen, heißt es aus der Pressestelle.

Hintergrund

Ein Fünftel des Gesamtbudgets aller österreichischen Universitäten stammt aus Drittmitteln. Ein Viertel davon kommt von Unternehmen. Wissenschafts- und Wirtschafts- ministerium fördern aktuell mit 20 Mio. Euro Wissenstransferzentren, in denen Unis und Unternehmen kooperieren. In der Lehre nehmen Stiftungsprofessuren (von Stiftungen, Unternehmen) als Möglichkeit zu, um Lehrstühle zu finanzieren. Das Bundesland Tirol vergibt derzeit eine Professur an der Uni Innsbruck, Verkehrsministerium und Luftfahrtlieferant FACC AG fördern zwei Stiftungsprofessuren für Produktionsforschung.