Neuer Zwang zum Energiesparen
Ab 2015 müssen 1200 Unternehmen in Österreich ihre Energiesysteme zertifizieren lassen.
Energiekosten können wettbewerbsentscheidend sein. An der Verringerung der Ausgaben für Strom, Gas, Öl oder Kohle haben Unternehmen daher ein wirtschaftliches Interesse. Ab kommendem Jahr aber wird das Energiesparen für 1200 heimische Betriebe auch gesetzliche Pflicht.
Sie müssen mittels einer Zertifizierung oder eines Audits nachweisen, dass sie alle Potenziale für eine Reduktion des Energieverbrauchs im Unternehmen durchleuchtet haben. Anderenfalls drohen Strafen von 10.000 bis 20.000 Euro. Das schreibt das im Juli dieses Jahres beschlossene Energieeffizienzgesetz vor.
"Die meisten Unternehmen wissen noch gar nicht, dass sie das machen müssen oder was sie tun sollen", erklärt Rudolf Pichler, Geschäftsführer des Bureau Veritas in Österreich, das eine Umfrage zu diesem Thema durchgeführt hat. Betroffen sind all jene in Österreich ansässigen Betriebe, die mehr als 250 Mitarbeiter und mehr als 50 Millionen Euro Umsatz haben. Sie haben die Wahl: Sie müssen entweder ein Energiemanagementsystem installieren und sich zertifizieren lassen oder alle vier Jahre ein Energie-Audit nachweisen. "Eine Zertifizierung eines Energiemanagementsystems kostet bis zu 12.000 Euro, ein Audit bis zu 6000 Euro", erklärt Pichler. Bureau Veritas stellt die im Gesetz vorgesehenen ISO 50001-Zertifikate aus. Für größere Unternehmen sei das meist kein Problem. Sie seien es gewohnt, sich zertifizieren zu lassen. Für viele kleinere Firmen sei so etwas neu, meint Pichler.
Folgenlos
Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet die rund 1200 Unternehmen zwar zu Energieverbrauchs-Zertifizierungen bis spätestens im dritten Quartal nächsten Jahres, mehr müssen sie aber nicht machen. Das heißt: Sie müssen nicht Energie sparen.
Pichler glaubt allerdings, dass die meisten Unternehmen, die in der Analyse gefundenen Einsparpotenziale nutzen werden. Die größten Möglichkeiten sieht er bei Wärmedämmungen der Fabrikshallen und dem Ersatz alter Maschinen.
Pichler schätzt, dass sich etwa ein Viertel der 1200 Unternehmen für ein umfangreiches Energiemanagementsystem entscheiden werden. Dazu müssen sie im Betrieb einen Umwelt- und Energiespezialisten mit der Erhebung der Einsparmöglichkeiten beauftragen. Das gesammelte Zahlenwerk werde dann von Experten eines Zertifizierungsbüros nochmals vor Ort überprüft. Die Zertifizierung muss jährlich erneuert werden.
Energie-Audits sind die einfachere und billigere Variante. Sie werden von geprüften Auditoren durchgeführt und werden alle vier Jahr neu erstellt.
Fördertopf
Sollten sich unternehmen für Energiespar-Investitionen entscheiden, sollte es dafür Förderungen geben. Auch für Audits könnte es finanzielle Unterstützung geben. Das Geld soll aus den Strafzahlungen der Energielieferanten kommen. Sie müssen nämlich Einsparungen nachweisen oder Strafe zahlen. Aus dem Straf-Topf könnten Fördergelder fließen.
Produkte zum Energiesparen:
Energieeffizienz
Heimische Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und mehr als 50 Millionen Euro Umsatz müssen ab 2015 mit Zertifikat oder Audit nachweisen, dass sie Möglichkeiten zum Energiesparen ermittelt haben. Das schreibt das Energieeffizienzgesetz vor. Einsparen müssen sie aber nicht.
Dafür sind die Energielieferanten zuständig. Sie sind gesetzlich verpflichtet, nachzuweisen, dass sie 0,6 Prozent ihres Energieabsatzes durch Sparmaßnahmen reduzieren. Welche Stelle all das überprüft, ist derzeit noch offen.