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Wirtschaft
05.12.2011

Fußball im Pay-TV wird billiger

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes kippt die bisher gültigen Exklusiv-Verträge für bewegte Fußball-Bilder.

Eine englische Barbesitzerin könnte das Leben von Europas Fußball-Fans revolutionieren. Was ist passiert? Karen Murphy hat im südenglischen Southsea eine Bar, dort zeigte sie 2007 Live-Übertragen der englischen Premier League. An sich nichts besonderes, hätte Murphy für ihre Fußballnachmittage nicht einen billigeren griechischen Sat-Decoder samt Abonemment benutzt. Hätte Murphy, über den legalen Weg, die Lizenz des britischen Pay-TV-Senders BSkyB für Gaststätten erworben, sie wäre knapp 6000 Euro teurer ausgestiegen. Die Gaststättenbesitzerin wollte das nicht akzeptieren und zog vor Gericht.

Jetzt der Paukenschlag. Der Europäische Gerichtshof entschied nun, dass zum Empfang von Pay-TV ausländische Smartcards nicht verboten werden dürfen. Das Gericht argumentiert, dass die geltende Regelung gegen EU-Recht verstoße, da sie den europäischen Binnenmarkt in kleinere, nationale Märkte trennen würden. Fußballspiele selbst sind keine geschützten Werke, lediglich Werke wie die "Premier League-Hymne" müssten vom Besitzer der Urheberrechte gebilligt werden. Gegen das Urteil aus Luxemburg kann keine Berufung mehr eingelegt werden. Die bisherige Vermarktung der Fußball-TV-Rechte dürfte damit wie ein Kartenhaus kollabieren.

Fatale Folgen

Das Urteil könnte drastische Auswirkungen auf den europäischen, wie auch heimischen TV-Markt haben. So dürfte etwa Sky seine Exklusivrechte für Deutschland und Österreich verlieren, jeder Kunde könnte - sofern vorhanden - auf billigere ausländische Anbieter zurückgreifen. Sprich, bietet beispielsweise ein slowakischer Sender Live-Übertragungen der österreichischen Bundesliga um nur 10€ Euro/Monat an, so steht jedem Abonnenten frei, sich für die kostengünstigere TV-Variante zu entscheiden.

Verlieren dadurch nationale Pay-TV-Anbieter Kunden, kann weniger Geld für Lizenzen bezahlt werden, wandert gleichzeitig weniger Geld an die Vereine. Deutsche Profivereine kalkulieren ihr Budget zu knapp einem Drittel aus TV-Geldern, in Österreich ist die Lage ähnlich, wenngleich eine Spur besser.

Während der britische Pay-TV-Gigant BSkyB bereits ankündigte seine Verträge für die obersten englischen Spielklassen anzupassen, mussten dessen Aktie herbe Kursverluste hinnehmen.

In einer ersten Reaktion befürchtet etwa Karl-Heinz Rummenigge, seines Zeichens Vorstandschef des FC Bayern München - der reichste Verein im deutschsprachigen Raum - auf sueddeutsche.de "gefährliche Zeiten für den Profifußball".