Erste-Chefanalyst: "Märkte kotzen sich aus"
Fritz Mostböck sieht aber Erholungspotenzial. Den Abwertungswettlauf solle man nicht ernst nehmen.
Trotz der Börsenturbulenzen vor dem Hintergrund der ungelösten Schuldenkrise glaubt Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, an eine Erholung der Märkte. Im KURIER-Gespräch sagte Mostböck: "Ich sehe für Oktober und November durchaus Erholungspotenzial. Die Märkte kotzen sich zunehmend aus. Eine Gegenbewegung nach oben von zehn bis 15 Prozent ist drinnen. Das ist in jedem Markt möglich."
Insbesondere die Osteuropa-Story hält Mostböck für intakt, was für die ostlastige Wiener Börse von enormer Bedeutung ist. Dafür sprechen aus seiner Sicht mehrere Gründe: Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum liege heuer im Osten (3,2 Prozent) fast doppelt so hoch wie im Westen (Eurozone: 1,8 Prozent). Außerdem sei die Verschuldung wesentlich geringer. So kämen die sechs wirtschaftlichen Kernländer in Mittel- und Südosteuropa - Tschechien, Slowakei, Ungarn, Polen, Rumänien und Kroatien - mit Schulden von 454 Milliarden Euro zusammen auf weniger als ein Viertel der Schulden von Italien (1911 Milliarden Euro).
Herbe Kritik übt Mostböck an den Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch und deren Abwertungswettlauf. "Man sollte die Ratings einfach nicht mehr ernst nehmen", rät der Analyst. Denn die Agenturen "liegen oft vollkommen falsch" und die Bewertungen kämen "prozyklisch und viel zu spät". Die Ratingagenturen hätten die Krise mit ihren anfangs viel zu positiven Bewertungen für hochriskante US-Papiere mit herbeigeführt und "verschärfen jetzt die Krise". Eine europäische Alternativ-Agentur werde sinnvollerweise bei der Europäischen Zentralbank angesiedelt.
Die einzige Lösung für die Schuldenkrise sei Wirtschaftswachstum. Ein Kaputtsparen Griechenlands könne nicht funktionieren. Zudem müssten die Korruption beseitigt und Steuern auch eingetrieben werden.