Banken sind günstig zu haben

Hypo Alpe-Adria ist kein Einzelfall, so Analysten. Die Lage für Bankverkäufe ist schwierig.
Das Raiffeisen Bank International Gebäude mit der österreichischen und der EU-Flagge davor.

In der Vorwoche wurde die Österreich-Tochter der Hypo Alpe Adria um 65,5 Mio. Euro an die indische Srei-Gruppe verkauft. Der Preis lag somit um 55 Mio. Euro unter dem Buchwert von 130 Mio. Euro. „Ein schlechtes Geschäft“, argumentieren viele Kritiker.

Doch die Lage für Bankverkäufe ist schwierig: Die Volkswirtschaften und die Banken sind verwundbar, die Krise ist noch nicht ausgestanden. So sei das Interesse an zum Verkauf stehenden Banken überschaubar, sagen Experten. Deshalb sei derzeit kaum mehr als der Buchwert (laut Bilanz) als Erlös zu erzielen. Insbesondere dann, wenn, wie im Fall der Hypo, der Käufer hauptsächlich Interesse an der Lizenz habe und weniger an der Bank selbst.

Erste-Group-Analyst Günther Hohberger untermauert dies mit Zahlen. „Die Banken sind eindeutig günstiger geworden. Die Börse-Bewertungen heimischer Banken liegen derzeit klar unter dem Buchwert.“ Bei der RBI sei es nur das 0,6, bei der Erste Group das 0,8- bis 0,9-Fache des Buchwertes. Vor der Finanzkrise wurden einzelne Institute zum vierfachen Buchwert und mehr übernommen. Höhepunkt sei der Einstieg der BayernLB bei der Hypo Alpe-Adria zum 5,2-fachen Buchwert gewesen. „Es war damals schon verwunderlich, wie wahnwitzig die Bayern agiert haben.“

Jetzt gebe es in Mittel- und Osteuropa keine Bank mehr, die an der Börse mehr als zum 2-fachen Buchwert notiert. Am teuersten seien die Institute in Polen und der Tschechoslowakei (1,4- bis 1,8-Fache). „Die Risikokosten sind dort relativ gering und das wirtschaftliche Umfeld ist stabil.“ Dass dennoch die Bank Millennium, die der portugiesischen BCP gehört, zum Verkauf steht, habe einen anderen Grund. „In solchen Fällen geht es meistens der Mutter nicht gut. Sie braucht liquide Mittel.“

Günstig seien auch Banken in Ungarn und Slowenien. Die Regierung in Laibach etwa will die zweitgrößte Bank NKBM privatisieren, muss aber zuvor noch 400 Mio. Euro Kapital zuschießen.

Auch nur mit Verlust verkaufen konnte die Erste Group ihre Tochter in der Ukraine. Nach Abzug des Kaufpreises (63 Mio. Euro) entstand unterm Strich durch das Engagement ein Verlust von 280 Mio. Euro. Die Bank Austria wiederum trennte sich in Kasachstan mit Verlust von der defizitären ATF Bank.

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