Die Kaderschmiede der US-Komiker
Am Sonntag feiert Saturday Night Live 40-jähriges Bestehen. Die Liste an Schauspiel-Stars, die ihre Karriere in der Sketch-Show starteten, ist beachtlich.
Ein junger Mann namens Chevy Chase war am 11. Oktober 1975 der erste, der die neue Sketch-Show des Senders NBC ankündigte: "Live From New York - It's Saturday Night". 779 Mal wurde die Show seither mit eben diesem Satz eröffnet. Am Sonntag feiert NBC das 40-Jahr-Jubiläum nun mit einer dreistündigen Sonderausgabe von Saturday Night Live. Denn wie Chevy Chase (vor allem in den 80ern), ist SNL in der Zwischenzeit selbst zum Star geworden.
Die Show ist nicht nur eine der langlebigsten im amerikanischen TV, sie gilt auch verlässlichste Kaderschmiede für den Comedynachwuchs: Bill Murray, James Belushi, Steve Marin, Eddie Murphy, Jimmy Fallon, Tina Fey, Will Ferrell oder Mike Myers? Die prägendsten Comedians Amerikas traten (für anfangs 750 Dollar pro Show) zuerst bei SNL auf (siehe Bildergalerie).
Selbstironie
Da verwundert es schon, dass SNL seit jeher auch der Ruf anhaftet, eigentlich gar nicht so witzig zu sein. Ein Ruf, mit dem man aber umzugehen weiß. Als SNL-Gründer Lorne Michaels New Yorks Bürgermeister Giuliani in der ersten Show nach den Anschlägen vom 11. September 2001 fragte, ob man denn jetzt wieder witzig sein dürfe, antwortete dieser live in der Show nur: "Warum jetzt damit anfangen?"
Ohne diese Portion Selbstironie wären die 40 Jahre wohl auch nicht zu machen gewesen: SNL überstand Skandale und Streiks - und nicht zuletzt auch Quotenflauten. Lag der Marktanteil Ende der 70er-Jahre bei sagenhaften 40 Prozent, gibt man sich bei NBC mittlerweile mit weniger als 10 Prozent zufrieden.
An dem Konzept hat man denoch nie gerüttelt. SNL bietet 90 Minuten (66 Minuten bleiben abzüglich der Werbeunterbrechung) Sketch auf Sketch, ohne festen Zusammenhang, dafür mit wiederkehrenden Figuren. Das freie Konzept erlaubte SNL die Wandlung von der zunächst superpolitischen hin zur klamaukigen Sendung, die sie heute ist.
Eigenwerbung
Ein fixes Ensemble bestehend aus rund zehn Schauspielern - wenig liebevoll (und selten lange) als "Not Ready For Primetime Players" bezeichnet - spielt die Sketches. Schnell entdeckten prominente Schauspieler und Musiker die Serie auch als hervorragende Gelegenheit, mit Gastauftritten Sympathiepunkte beim Publikum zu sammeln. Und auch hier gilt: Ohne Selbstironie und Mut zum Kontroverse geht nichts. Wer bei Saturday Night Life auftritt, darf sich für nichts zu schade sein. Für einen der letzten Aufreger sorgte 2013 Christoph Waltz, als er in dem Sketch "Jesus Uncrossed" in Tarantino-Stil Jesus parodierte. Es war so etwas wie die Fortsetzung der Gesangseinlage von Sinead O'Connor, die bei ihrem Auftritt im Jahr 1992 ein Bild von Papst Johannes Paul II. zerriss - und damit für Empörung sorgte.
Doch solche Skandale sind selten geworden. "SNL ist zur Massenware geworden ist", konstatiert der Spiegel. "Die Siebzigerjahre und das 21. Jahrhundert sind so verschieden", klagte Tina Fey, einer der letzten Stars der Show, zuletzt in einem Interview mit derVanity Fair. "Es gibt keine Drogen und keinen Sex mehr in der Show."