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© Bild: dapd
Entwicklungsmärkte
04.06.2013

Export: Wachstumsmärkte Asien und Übersee

Felix Mayr von der RLB NÖ-Wien im Interview über Wachstumsmärkte und Produktinnovationen.

Wo liegen Ihrer Einschätzung nach international gesehen die Wachstumsmärkte für österreichische Unternehmen?
Das ist unternehmens- und branchenspezifisch sehr unterschiedlich, darum sind hier auch kaum generelle Aussagen möglich. Wenn man jedoch die österreichische Außenhandelsstatistik analysiert, so sieht man, dass es seit Beginn der Wirtschaftskrise zu einer Verlagerung des Wachstums stärker in Richtung Emerging Markets bzw. Asien und Übersee gekommen ist. Von 2007 bis 2011 waren die Top-Wachstumsmärkte für österreichische Exporte China (+78%), Korea (+54%), Türkei (+32%), Russland (+14%) und Polen (+13%). Darüber hinaus profitieren heimische Unternehmen über den Zulieferbereich nach Deutschland nochmals indirekt vom Wachstum der deutschen Exporte in Emerging Markets. Diese haben sich seit 1996 versiebenfacht. Für das erfolgreiche Exportieren in weiter entfernte Regionen ist oft ein langer Atem erforderlich. So werden gerade für KMU die österreichischen Nachbarländer stets eine sehr wichtige Bedeutung behalten.

Was ist der RLB NÖ-Wien in der Beratung ihrer Kunden, die international tätig sind, besonders wichtig?
Es ist uns ein großes Anliegen, dass Unternehmen die Beratung bekommen, die sie zur erfolgreichen Strukturierung einer Transaktion benötigen. Wir legen aber auch genauso viel Augenmerk auf die effiziente Umsetzung derselben. Dazu arbeiten Experten unseres Hauses mit den Unternehmer-Beratern sehr eng zusammen. Sie analysieren gemeinsam die Bedürfnisse der Kunden und leiten daraus individuelle Lösungsvorschläge ab. Hier ist es besonders wichtig, dass uns Kunden sehr frühzeitig einbinden, da dann noch eventuell wesentliche Themen der Risikoabsicherung oder der Finanzierung in die Gestaltung der Lieferverträge einfließen können.

Unsere Experten sind fit in den folgenden Themen: Exportfinanzierung und Auslandsinvestitionen, Dokumenten- und Garantiegeschäft, strukturierte Handelsfinanzierungen, Cash Management, Zins- und Währungsrisikomanagement sowie Förderungen. Darüber hinaus können diese, wenn notwendig, jederzeit auch die Brücke zu den Raiffeisen Netzwerkbanken schlagen, um Kunden auch vor Ort die richtige Betreuung zu gewährleisten.

Wir wollen Kunden unterstützen, indem wir Risiken im Auslandsgeschäft aufzeigen bzw. helfen, diese sowie die Finanzierungskosten zu reduzieren sowie die eigenen Kreditlinien optimal zu nutzen (Bankinstrumente wie L/Cs, Garantien bzw. Bund Haftungsübernahme).

Welche Förderinstrumente sind aus Ihrer Sicht im Rahmen einer internationalen Tätigkeit wichtig und sinnvoll? Welche Produktinnovationen gibt es?
Bei Auslandsinvestitionen empfehlen wir beispielsweise, wenn möglich, den Starthilfekredit der OeKB zu nutzen. Dieser ist für Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländer gedacht - z.B. Brasilien, China oder Indien sowie in unserer Nachbarschaft u.a. auch für die Türkei, Serbien, Albanien oder den Kosovo. Dabei gibt es bis zu 436.000 EUR um 3% (in Kombination mit Absicherungsinstrumenten wie G4, AWS).

Offiziell nicht als Förderung deklariert, aber doch oft mit beachtlichen Zinsvorteilen für Kunden verbunden sowie unbürokratisch in der Abwicklung, ist die OeKB Beteiligungsfinanzierung. Diese ist meiner Meinung nach das wichtigste Instrument in der Finanzierung von Auslandsinvestitionen.

Bei adäquater Bonität des Unternehmens ist auch eine teilweise Risikoübernahme durch die Republik Österreich möglich. Dies kann die Bank als Sicherheit ansetzen und somit Risikokosten und Haftkapitalkosten sparen, was sich für das Unternehmen positiv auf Finanzierungshöhe und Kreditmarge auswirkt. Weiters können die eigenen Kreditrahmen für weitere Geschäfte verwendet werden. Kombinieren lässt sich die OeKB Beteiligungsfinanzierung mit einer Absicherung des Länderrisikos (politischen Risikos und/oder Transferrisikos), das je nach Land sehr sinnvoll sein kann.

Ebenso ist die Austria Wirtschaftsservice (AWS) bereit - über die Finanzierungsgarantie - auch das Kreditrisikos eines im Ausland investierenden Unternehmens mitzutragen. Wichtig für die Kunden ist, die Risiken zu erkennen, zu bewerten und dort, wo es sinnvoll ist, auch abzusichern. Unsere Experten stehen dabei gerne für eine Analyse und Beratung zur Verfügung.

Im klassischen laufenden Exportgeschäft gehören unserer Meinung nach ein Exportfondskredit für KMU (gemäß EU Definition: < 250 Mitarbeiter, < 50 Mio. EUR Umsatz, Bilanzsumme < 43 Mio. EUR, keine maßgebliche Beteiligung eines Großunternehmens) bzw. der Kontrollbankrefinanzierungsrahmen (KRR) zum Standardprogramm einer ausgewogenen Betriebsmittelfinanzierung für exportorientierte Unternehmen. Der Exportfondskredit kann bis zu einem Betrag von 30% der Exportumsatzes beantragt werden, beim KRR gibt es auf Basis der ab 30.6.2012 geltenden neuen Bedingungen der OeKB keine fixe Prozentgrenze mehr. Hier gilt die Höhe der Exportforderungen bzw. in geringem Maß Aufträge als Bemessungsgrundlage. Wiederum abhängig von der Bonität des Unternehmens ist es möglich, dass der Bund Kreditrisiko (Exportfonds bis max 80% der Kredithöhe) und KRR (ebenso bis 80% des Kreditrahmens jedoch max. 15% des Exportumsatzes) übernimmt. Dies hat wiederum die gleichen positiven Effekte auf Risikokosten und Eigenmittelunterlegung der Banken und somit auf die Kreditkosten für das Unternehmen.

Wir entwickeln die Produktpalette laufend weiter. So kombinieren wir verschiedene bankinterne Instrumente mit „Förderinstrumenten“. Z.B. haben wir vor kurzem für einen Kunden den Exportfondskredit als Basisfinanzierungsinstrument für Auslandsforderungen in Kombination mit Factoring über die Raiffeisen Factor Bank für Inlandsforderungen strukturiert. Ferner ist z.B. der OeKB-Avalrahmen sinnvoll im Auslandsgarantiegeschäft einsetzbar. Die Absicherung von Exportrisiken gewinnt im internationalen Geschäft für die Unternehmen immer mehr an Bedeutung.

Wo besteht denn aus Ihrer Sicht zusätzlicher Bedarf im Hinblick auf die Absicherung von Exportrisiken?
Wenn man die Gewinnspanne in Verhältnis zum Verlustpotenzial bei einem möglichen Totalausfall setzt, wird meist deutlich, wie wichtig es ist, seine Zahlungsrisiken zu kennen und richtig zu bewerten. Das ist natürlich die klassische Domäne der Kreditversicherungen oder der OeKB. Aber auch bankintern haben wir mit Akkreditiv und Bankgarantien wirksame Absicherungsinstrumente anzubieten.

Was in letzter Zeit wieder verstärkt in den Fokus getreten ist, ist das Länderrisiko. Dieses war viele Jahre kein Thema. Seit 2011 gab es jedoch in der Mittelmeerregion nun bereits vier Länderrisikoschadensfälle (Libyen, Syrien, Griechenland, Zypern). Meist ist es aber zu spät, sich Gedanken zu machen, wenn es in einem Land schwierig wird, da dann verständlicherweise auch Banken und Kreditversicherungen restriktiver werden müssen bzw. die Risikoprovision ansteigt. Insofern rate ich auch hier zu einer umfassenden Risikoberatung im Anfangsstadium von Transaktionen.

Welche Absicherungsinstrumente haben sich bewährt? Welche Trends erkennen Sie?
Wie schon gesagt, es ist nach wie vor das gute, bewährte Akkreditiv, das Kunden im internationalen Handel am effizientesten vor Annahmeverweigerung und Zahlungsausfall schützt. Kauft sich der Kunde eine Bestätigung (also die Risikoübernahme der RLB NÖ-Wien), so gibt er auch das Länderrisiko ab. Gerade für Exporte in den Regionen Nahost, Nordafrika, GUS oder Asien ist das Akkreditiv sehr bedeutend in der Abwicklung und Absicherung von Exporten. Mit den gestiegenen Risiken ist das Akkreditiv als Instrument auch wieder nach Europa zurückgekehrt. Das überarbeitete Regelwerk - die UCP 600 - ist von fast allen wichtigen Staaten anerkannt und so gibt es einen einheitlichen Rechtsrahmen, auf dessen Basis bei Streitfällen geurteilt wird.

Daneben gibt es natürlich die Bankgarantie, die auch sehr häufig international angewendet wird. Die Bankgarantie kann für Exporteure und Importeure jede Art von vertraglicher Leistung absichern - so wie zum Beispiel Anzahlungen, Lieferungen, Leistungen, Haftrücklässe, natürlich auch Zahlungen oder Kreditbesicherungen. Im Unterschied zum Akkreditiv unterliegt die Bankgarantie aber jeweils einer Rechtsordnung und hier sind nationale Besonderheiten zu beachten. Wir haben in diesem Bereich Profis mit langjähriger Erfahrung, die unsere Kunden bestens beraten können.

Neben den bankeigenen Garantien ist hier das Instrumentarium der OeKB im Rahmen des Ausfuhrförderungsgesetzes sowie privater Kreditversicherungen zu erwähnen. Positiv neben dem Absicherungseffekt - sowohl auf Akkreditiv, Garantie oder Kreditversicherungsbasis ist, dass diese Forderungen von uns angekauft und somit vor Fälligkeit für den Kunden liquiditätswirksam werden können. Wir haben viele Kunden, die so das Akkreditiv regelmäßig zur Liquiditätssteuerung und Bilanzgestaltung nutzen.

Ein Instrument, das wir gerade in letzter Zeit häufiger eingesetzt haben, ist der OeKB- Avalrahmen. Damit wird ein „normaler" Avalrahmen für Auslandsgarantien mit einer teilweisen Haftung des Bundes abgesichert. Das Unternehmen kann sich damit gegen das Risiko einer ungerechtfertigten Inanspruchnahme von Bankgarantien absichern. Die Bank bekommt das Unternehmensrisiko teilweise abgesichert mit den schon mehrfach erwähnten positiven Effekten für das Unternehmen (Kondition, Höhe des Rahmens).