"Auf Eigenheiten des Marktes einstellen"
Reinhard Karl, Vorstandsdirektor Kommerzkunden bei der RLB NÖ-Wien, im Interview.
Wie groß ist derzeit das Interesse heimischer Firmen, im Ausland zu investieren? Welche Entwicklung sehen Sie?
Die Zahlen sprechen für sich: Der Bestand der Auslandsinvestitionen der Österreicher hat sich im Zeitraum 2001-2011 auf 154 Mrd. Euro nahezu vervierfacht (+376%). In der Vergangenheit waren Deutschland, Tschechien und Ungarn die Top-Zielländer für österreichische Investitionen. Heute sehen wir die stärksten Zuwachsraten in China, Korea, Brasilien, Türkei, Russland und Bulgarien. Wir erleben auch in unserer täglichen Beratungspraxis, dass die Unternehmen auf die besseren Marktchancen in Asien und Übersee – ähnlich wie bei den Exporten – reagieren.
Hat sich die Nachfrage mit Beginn der Finanzkrise verändert? Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?
Die teils euphorische Aufbruchsstimmung, wie wir sie vor der Finanzkrise erlebten, sehen wir nicht mehr. Das Wachstumspotenzial in Auslandsmärkten wird heute von Unternehmen realistischer beurteilt.
Was sollten Firmen/Unternehmer beachten, um in Osteuropa bzw. international erfolgreich sein zu können?
In erster Linie müssen Unternehmen eine klare Vorstellung davon haben, was sie in einem bestimmten Land erreichen wollen. Dazu ist es wichtig, sich auf die jeweiligen Eigenheiten des Marktes einzustellen. Wir empfehlen hier immer auch auf kritische Machbarkeitsstudien zu setzen.
Vertrauenswürdige Manager und qualifiziertes Personal zu finden, kann darüber hinaus oft eine Herausforderung sein, wenn man international tätig ist. Raiffeisen ist in Osteuropa mit lokalen Mitarbeitern sehr gut gefahren. Diese kennen die Spezifika des heimischen Marktes in der Regel viel besser.
Bei jeder Auslandsinvestition sind natürlich auch die finanziellen Risiken sehr genau abzuwägen. Dabei stellen sich vor allem die Fragen wie man die Finanzierung optimal aufstellen kann und nach den eigenen Reserven: Reicht z.B. das Eigenkapital auch als Puffer für schwierigere Zeiten?
Wir alle kennen, die Erfolgsgeschichten großer Unternehmen im Ausland. Wie sieht es mit den kleinen und mittelständischen Unternehmen aus? Wie können diese Chancen im Ausland für sich nutzbar machen?
Für KMUs gilt im Auslandsgeschäft grundsätzlich das gleiche wie für Großunternehmen – jedoch mit einem wesentlichen Unterschied: Ein kleineres Unternehmen kann sich oft keine eigenen internen Spezialisten für die Themen „Export“ und „Auslandsinvestitionen“ leisten. Deshalb ist es gerade für KMUs besonders wichtig, auch externe Beratung in Anspruch zu nehmen. So z.B. bei der Strukturierung von Geschäften sowie in der Risikoeinschätzung und Absicherung.
Was unterscheidet die RLB NÖ-Wien dabei von anderen Banken?
Man kann sagen, wir bieten das Beste aus zwei Welten: Auf der einen Seite kennen wir als Regionalbank unsere Kunden und ihre Bedürfnisse ganz genau und sind lokale Ansprechpartner, die Entscheidungen direkt vor Ort treffen. Auf der anderen Seite sind wir als Spezialisten für das Auslandsgeschäft verlässliche globale Partner. Wir begleiten unsere Kunden bei internationalen Investitionen in Brasilien, China oder in Südosteuropa genauso, wie bei der Absicherung von Export- und Importgeschäften im Nahen Osten oder in Nordafrika wie z.B. in Algerien. Dabei ist der überwiegende Teil der Kundenbedürfnisse sehr gut von Wien aus abzudecken und das zumeist günstiger als vor Ort. Wenn wir in anderen Ländern zur Unterstützung unserer Kunden internationale Partner benötigen, arbeiten wir mit den Raiffeisen Netzwerkbanken sowie wichtigen Partner- und Korrespondenzbanken zusammen.
Im Zuge der Internationalisierungsoffensive hilft Raiffeisen Unternehmen, die in Osteuropa Fuß fassen wollen – welche Bereiche deckt die RLB NÖ-Wien dabei ab? Welchen Service bieten Sie?
Seit über 10 Jahren haben wir mehrsprachige Spezialisten für die Region, die die Unternehmen bei deren Geschäftstätigkeit in Centrope unterstützen, aber auch darüber hinaus in CEE. Wir liefern Informationen über Produkte, Dienstleistungen und Preise der Raiffeisen Netzwerkbanken vor Ort. Wir unterstützen bei Kontoeröffnungen, vermitteln länderspezifische Fachinformationen, z.B. bei der Beratung zu Recht und Steuern in CEE. Wir bieten grenzüberschreitende Produkte und helfen bei Aufbau und Pflege eines Netzwerkes von Fachexperten in CEE.