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Resetarits: Zornig auch im Pensionsalter

Es is eh wie immer", sagt Lukas Resetarits. Zwischendurch Verzweiflung. Viel Material. Große Diskussionen. Arbeitsqual bis zum Appellativum: "Stell dich rauf und erzähl!" Und irgendwann war dann auch das 24. Programm bühnenfertig: "Unruhestand" (Premiere: Dienstagabend, 6. März, im Stadtsaal in Wien).

Wovor schützt ein Rettungsschirm? Vor dem Aufprall oder vor dem Regen? Wer steigt auf die Schuldenbremse, und wer wird ausgebremst? Können wir die schmelzenden Polkappen wieder einfrieren? Gibt es Menschenrechte für Hedgefonds?

Fragen über Fragen. Anders als die Politiker findet der Satiriker keine Antworten und gibt das auch zu. Nein, mit Hedgefonds kennt er sich nicht aus: "Aber ich will den Leuten ein bisschen Juckpulver geben. Wir kennen ja nur die Effekte der Hedgefonds, und die sind nicht leiwand."

Juckpulver und Fensterkitt

Die Welt erklären will und muss er ohnedies nicht: "Ich muss zu der Einfachheit finden, wo es für alle verständlich wird: Krise ist, wenn der Franzi und die Susi, beide Jungakademiker, den Kitt aus den Fenstern fressen müssen."

Der Kabarettist macht sich ernsthaft Gedanken, nein, Sorgen um die jungen Menschen von heute, "deren Lebenserwartung gegen 100 geht, und die ihre letzten eineinhalb Lebensjahrzehnte in Volldemenz, gepflegt von Robotern, verbringen werden."

Mitte der 60er-Jahre hätte man noch gedacht, in den Bereichen Soziales, Kunst, Menschenrechte und im Leben werde sich etwas zum Besseren verändern. "Aber jetzt sehen wir: Es wird nicht besser", sagt der Kabarettist. "Die jungen Leute heute arbeiten weitgehend im Prekariat. Es erstaunt mich nur, dass die laut Umfragen angeblich alle so glücklich sind. Aber wenn sich die Alten und die späten Teens auf ein Packel hauen, fände ich das sehr spannend."

Resetarits, mit bald 65 im Pensionsalter, redet sich in Rage: "Vor lauter Unruhe kann ich nicht sagen, warum ich unruhig bin."
Sein Zorn raucht. Er selbst nicht mehr.
Den Punkt, an dem man alt wird, hat er irgendwie verpasst: "Ich habe das nicht gelernt und kann es deshalb nicht. Natürlich sind wir alte Nussstrudeln. Aber da drin im Kopf sind wir nicht alt."

In seinem Opus 24 geht es, wie immer bei ihm, um Leben und Tod, Alt und Jung, Arm und Reich, Rechts und Links, Oben und Unten, Politik und Korruption, Gegenwart und Zukunft – und schließlich um jene, die in der Wirtschaft am großen Rad drehen.

Engagement gegen Zocken

Es quält ihn die Unruhe an den Zuständen: "Wenn man sich das Zocken weltweit anschaut, das hat ja alles mit Wirtschaft nichts mehr zu tun."

Resetarits gefällt es, "dass Leute wie Erhard Busek und Hannes Androsch mit Mitte 70 den Mund aufmachen. Ich finde, die Alten sollen sich einbringen und sich nicht zurückziehen."

Er entdeckt jetzt im Alter für sich den Rap als gute Kommunikations- oder Kunstform: "Weil man so eine Geschichte wirklich viel besser erzählen kann. So will ich auch meine, unsere Geschichte erzählen und meine Jahrgänge ansprechen."

Schließlich soll "der resignative Altersabschnitt behandelt werden, in dem ich mich jetzt gerade befinde. Da wird natürlich auch der Tod ein Thema sein müssen."

Und was tun wir, wenn H.C. Strache mit Stimmenmehrheit Kanzler wird? "Diese Frage wird sich auch in meinem Programm stellen, auch diese Fiktion wird abgehandelt werden," sagt Resetarits. Jedenfalls würde er den Blauen gern das Blaue wegnehmen.

Zur Person: Lukas Resetarits ist unruhig

Biografie
Geboren am 14. Oktober 1947 in Stinatz (Südburgenland). Bekannt u. a. als Kabarettist und als "Kottan"-Darsteller (ab 1980). Erstes Soloprogramm: "Rechts Mitte Links" (1977).

Programm
Mit dem 24. Solo „Un Ruhe Stand“ steht Resetarits derzeit wieder auf der Bühne. Das Programm dreht sich laut Ankündigung vor allem um die jungen Menschen von heute. Und um die alten Zausel, die wild und zornig werden.

Termine
Bis November u. a. in St. Pölten, Graz, Klagenfurt. Ticketinfo zu den Vorstellungen unter www.knowme.at