Sexismus, derbe Sprüche und viel schwarzer Humor: Gerade wegen dieser heftigen Mischung wurde "Eine schrecklich nette Familie" Anfang der 90er-Jahre zur Kultserie.
Die einfach gestrickten Geschichten um die White Trash Familie aus Chicago waren in 259 Folgen zu sehen, die in den USA von 1987 bis 1997 ausgestrahlt wurden. Hierzulande schlug "Married ... with Children" erst Mitte der 90er ein.
Die Bundys wurden weltweit bekannt, die Darsteller zu berühmten TV-Stars. Einige hielten sich im Showbiz, von anderen ist nicht mehr viel zu hören. Doch nicht alle sind heute noch stolz auf ihre Rolle in der Serie.
So auch Katey Sagal. Sie spielte elf Jahre lang die gelangweilte Hausfrau Peggy Bundy, nachdem sie sich gegen mehr als 1000 Kandidatinnen im Casting durchgesetzt hatte. Heute sieht sie die Show kritisch: "Es war eine sehr frauenfeindliche Show", verriet Sagal dem Magazin Build.
"Frauen wurden total ausgebeutet", so die 62-Jährige weiter. "Das war einfach ein Teil der Rolle von 'Al Bundy' – er liebte heiße Mädchen und er zeigte es ihnen andauernd."
Inzwischen distanziert sie sich von der Show: "Peggy Bundy zu spielen hatte mit meinen Überzeugungen nichts zu tun. Es war einfach mein Job." Und sie gesteht, dass sie ihre eigene Meinung früher hinten angestellt habe: "Damals habe ich wirklich verstanden, dass mein Job als Schauspielerin darin besteht, das Material zu interpretieren."
Nach ihrer Zeit in "Eine schrecklich nette Familie" spielte Sagal in "Die wilden Siebziger" - erneut eine desillusionierte Mutter. Seither ist sie fast ohne Pause im TV beschäftigt, auch nach der Geburt ihrer zwei Kinder. Ab 2002 war sie mit dem verstorbenen John Ritter in "Alle meine Töchter" mit von der Partie.
Auch in "Lost" und "Boston Legal" spielte die wandelbare Schauspielerin. Mit Filmproduzent Kurt Sutter ist sie seit 2004 verheiratet - ihre dritte Ehe.
Dieser ist unter anderem der Erfinder der Serie "Sons of Anarchy", in der die Schauspielerin bis 2014 zu sehen war. 2011 erhielt Sagal einen Golden Gobe für die Darstellung der durchtriebenen und heimlichen Gang-Chefin. Auch im TV-Ableger von "Dirty Dancing" ist sie mit an Bord.
David Faustino
Schon als Dreijähriger war Faustino im TV zu sehen und spielte als Kind in "Love Boat". Der Sohn eines Politikers wurde im Alter von zwölf schließlich als jüngstes Familienmitglied der Bundys gecastet.
Bud Bundy ist nicht gerade der beliebteste und coolste Bursche seiner Schule. Vorwiegend beschäftigt er sich mit den neuesten Playboy-Magazinen. In 257 von 259 Folgen war Faustino mit von der Partie. In den 90er-Jahren war er auch in Gastrollen in "Parker Lewis" oder "Akte X" zu sehen.
Mit Auftritten wie einem Besuch bei Richard Lugner oder in diversen Discos verdient der heute 43-Jährige etwas Kleingeld. In den letzten Jahren ergatterte Faustino vor allem Sprechrollen für Kinderserien.
Mit dem Image der Dumpfbacke hatte Applegate kein Problem, auch wenn sie nach Serienende anfänglich für ähnliche "Dumm-aber-schön"-Rollen besetzt wurde. Dann aber zeigte die in Los Angeles geborene Blondine, dass sie mehr kann.
Danach kamen Filme wie "Just Visiting - Mit Vollgas in die Zukunft" oder "Anchorman". 2007 wurde ihr erneut eine Hauptrolle in einer Serie angeboten: "Samantha Who" lief von 2007 bis 2009. In dieser Zeit wurde Brustkrebs bei der 45-Jährigen diagnostiziert.
Zuletzt war sie im Kino in "Alles erlaubt - Eine Woche ohne Regeln" zu sehen. An einer Serie ("Up All Night") versuchte sie sich erneut von 2011 bis 2012 - wieder spielte sie eine junge Mutter, die versucht Job und Familie unter einen Hut zu bringen.
Ed O' Neill
Mit der Hand in der Hose wurde er weltberühmt. Für viele Fans der Serie wird Ed O'Neill immer der sexistische Schuhverkäufer Al Bundy bleiben. Wie Bundy wollte auch O'Neill professioneller Footballspieler werden, scheiterte jedoch.
Die Schauspielerei war lange Zeit nur ein Hobby von ihm. Er arbeitete als Kellner, Lehrer und Stahlarbeiter, um sein Leben zu finanzieren - bis der große Durchbrch kam. Nach der "schrecklich netten Familie" war er in 22 Folgen von "Polizeiruf Los Angeles" zu sehen.
Große Filmrollen blieben dem Meister in der Kampfsportart Brazilian Jiu-Jitsu aber verwehrt - zu sehr haftete die Rolle von Al Bundy an dem Schauspieler. Seit 1986 ist er mit Catherine Rusoff verheiratet, mit der er zwei Kinder hat.
Erst 2009 kam die große TV-Aufmerksamkeit wieder, als er die Rolle des Jay Pritchett in der gefeierten Serie "Modern Family" übernahm, in der er sein komödiantisches Talent wieder vollends unter Beweis stellen kann.
Amanda Bearse
Für viele Lacher in der Kultserie sorgte Amanda Bearse als überkorrekte Nachbarin Marcy. Im Laufe der Serie wird sie zur Extem-Femnistin, die als Pendant zu Al's "No MA'AM" Gruppe gegen Emanzen, den Verein "F.A.N.G. (Feminists against Neanderthal Guys)" gründet.
Nach Ende der Serie fungierte sie vermehrt als Regisseurin und machte sich hinter der Kamera einen Namen. Sie realisierte Folgen von "Dharma & Greg", "Sabrina" oder "Reba".
Schon 1993 hat sie sich als lesbisch geoutet. Amanda Bearse lebt seit Jahren mit ihrer Partnerin in Los Angeles, mit der sie zwei Kinder adoptiert hat.
David Garrison
Marcys erster Ehemann Steve hielt bis zur vierten Staffel durch. Danach widmete sich David Garrison, der in Boston Kunst und Theater studierte, lieber Theaterstücken.
Garrison war und ist immer wieder am Broadway zu sehen und wurde für den Tony Award nominiert. Ab und zu sieht man den Serien-Veteran aber noch im TV - in "The West Wing", "Law & Order" und zuletzt in "30 Rock".
Mit der Serie "Hope & Faith" kehrte er von 2003 bis 2006 wieder regelmäßig ins TV zurück. Seit 1991 ist der Schauspieler mit seiner Kollegin Gigi Rice verheiratet, mit der er zwei Söhne hat.