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Stars
26.05.2012

Frühstück mit Maria Yakovleva und Kirill Kourlaev

Bei Bliny mit gezuckerter Kondensmilch und Marmelade erzählen die russischen Ballett-Stars der Wiener Staatsoper über ihre ehrgeizigen Mütter und die tägliche Knochenarbeit in der Ballettschule.

Sie leben für die Bühne. Ihrem Körper verlangen sie Höchstleistungen ab. Trainiert und geprobt wird jeden Tag, außer Sonntag, acht Stunden und manchmal auch mehr. Bis zur Erschöpfung. Das ist der Preis, den Tänzer bezahlen müssen, um an die Weltspitze zu kommen. Maria Yakovleva (26) und Kirill Kourlaev (30) ist es gelungen. Sie sind das First Couple der Wiener Staatsoper – Primaballerina und Erster Solotänzer. Ihren Pas de Deux beim Neujahrskonzert verfolgten heuer Millionen Zuschauer auf den Fernsehbildschirmen. Ab 12. Juni werden sie gemeinsam in „Juwelen der neuen Welt II“ über die Bühne schweben.

Ein Traumpaar sind die gebürtigen Russen auch privat. Er in Karohemd und Jeans. Sie im kurzen Blumenkleid und mit bunten Ballerinas. Die dunklen, langen Haare reichen der 1,66 Meter großen und 48 Kilo leichten Tänzerin bis zur Hüfte. In der Küche ihrer renovierten Altbauwohnung im vierten Bezirk holt sie einen Stoß von selbst gemachten Blinys (russische Palatschinken) aus dem Backrohr. Wer wird die essen? Die beiden schaffen das locker.

Am Sonntag wird das Frühstück kalorienreich zelebriert. „Ich brauche immer Süßigkeiten“, sagt Maria und bestreicht ein Bliny mit Marmelade und Rahm, schlägt die Seiten ein, rollt es zusammen und beißt genüsslich ab. Mit russischer, gezuckerter Kondensmilch wird Kirills Bliny gefüllt. Das nächste mit Kalbsleberaufstrich, ein weiteres mit Käse und Kantwurst. Der Palatschinkenberg wird kleiner.

Pas de deux

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Verliebt und stolz, wie am ersten Tag, als die beiden einander vor sieben Jahren beim Ballett in der Oper begegneten, strahlt Maria ihren Ehemann an und erinnert sich: „Er war zurückhaltend. Es hat ein Jahr gedauert, bis wir uns getraut haben.“ Kirill liefert den Grund: „Gefunkt hat es sofort. Aber kurz zuvor trennte ich mich von meiner bisherigen Freundin und war für eine neue Beziehung noch nicht offen. Also wollte ich mir Zeit lassen.“

Der Moskauer hat sich „in ihre Seele verliebt“. Die St. Petersburgerin hat „seine ruhige, hilfsbereite Art fasziniert“. Da ist nichts gespielt oder gekünstelt, wenn die beiden über ihre Liebe sprechen. In sieben Jahren haben sie noch nie gestritten. „Sie versteht mich ohne Worte. Mit ihr fühle ich mich immer wohl, egal, ob wir reden, einfach nur nebeneinander sitzen oder schlafen. Mit Maria ist mir nie langweilig. Es ist immer wie am ersten Tag. Und sie ist wunderschön“, schwärmt Kirill Kourlaev.

Maria Yakovleva spart auch nicht mit Lob. „Wenn ich ihn anschaue, weiß ich, dass er mein Fels in der Brandung ist. Er raucht nicht, er trinkt nicht. Dafür ist er handwerklich geschickt. Er ist einfach der perfekte Mann.“ Es war der 4. Oktober 2009, Maria weiß es noch ganz genau, da überraschte er sie nach einer Vorstellung in Dortmund mit einem Glas Wein, in dem der Verlobungsring lag. „Ich hab’ schon darauf gewartet“, verrät sie lachend. Am 12. Juli 2010 wurde in der russisch-orthodoxen Kirche in Wien geheiratet.

Drill und Druck

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Diszipliniert und zielstrebig ist das Paar. Natürlich wären sie ohne den Drill und Druck ihrer Mütter nie so weit gekommen. „In Russland sind alle Eltern ehrgeizig“, sagt Kirill, den Menschen wie Steve Jobs faszinieren, „weil sie bei null beginnen und Großes erreichen“.

Die Gier auf Ballett bekam der Sohn einer Dolmetscherin und Englisch-Lehrerin als er acht Jahre alt war. „Damals durfte man erst mit zehn Jahren in die Ballettschule. Da hat meine Mutter gesagt, wenn ich möchte, dann kann ich im Sommer extern lernen und zwei Klassen überspringen.“ Das schaffte der vife Blondschopf auf Anhieb. „Mein Vater ist ja Doktor der Physik und Mathematiker“, erklärt er die Herkunft seiner Intelligenz. Mit 16 maturierte er.

Ballett wurde täglich trainiert. Und am Wochenende „brachte mich meine Mutter beinhart noch zum Privat-Ballettunterricht“, sagt Kirill. Heute ist er ihr unendlich dankbar. Maria sieht es ähnlich. „Meine Mutter hat mich gezwungen, auch noch Musik zu studieren. Bis 19 Uhr war ich auf der Waganowa-Ballettakademie, dann bin ich eine Stunde nach Hause gefahren und habe dort noch Klavierstunde gehabt. Acht Jahre lang.“ Trotzdem würde sie alles wieder so machen. Die Knochenarbeit habe sich gelohnt. Mit vier Jahren sah sie den „Nussknacker“ das erste Mal . „Damals hab’ ich sofort gewusst, ich will tanzen.“ Mit 19 holte sie Gyula Harangozo, der damalige Ballettchef der Staatsoper, direkt vom Mariinski Theater als Solistin nach Wien – wo sie Kirill traf.

Er kam schon 1998 nach Österreich in das Ballettkonservatorium St. Pölten. „Ich war 16, konnte kein Wort Deutsch und hatte großes Heimweh. Am Wochenende bin ich manchmal zwei Stunden beim Telefon gestanden und hab’ auf den Anruf meiner Eltern gewartet“, erinnert er sich. Vergessen waren Kummer und Schmerz, als er 2000 als Eleve an die Staatsoper geholt wurde.

Traumrollen

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Kourlaev wird bei der Nurejew-Gala Ende Juni den jungen Mann in „Le Jeune Homme et la Mort“ tanzen. „Die Rolle, von der ich seit 20 Jahren träume.“ Yakovleva muss vermutlich auf ihre Traumrolle noch einige Zeit warten. „Für die Tatjana in Eugen Onegin schaue ich zu jung aus. Ich habe schon drei Mal die Schritte gelernt. Bis jetzt hab’ ich aber immer die Olga getanzt.“

Denkt das Traumpaar auch schon an Nachwuchs? Er wünscht sich schon dringend Kinder. Maria auch. „Aber jetzt, wo die Schaffenskraft am stärksten ist, rückt der Tanz in den Vordergrund. Mit 26 Jahren fühle ich mich so leistungsfähig, dass ich mir immer anspruchsvollere Ziele setze und auf neue Höhepunkte in meiner Karriere hinarbeite. Wenn ein Kind kommt, wird einmal Pause gemacht, vielleicht nur um Luft zu schnappen und das Publikum aufs Neue zu begeistern“, sagt Maria und lacht verliebt in Kirills blaue Augen.
Ein Traumpärchen mit Lebensträumen, die sie mit Ehrgeiz und Freude auch erreichen werden.

Info:
Maria Yakovleva ist in „Don Quixote“ am 23. 5. und am 7. 6. zu sehen.
Beide tanzen am 12. 6. in „Juwelen der neuen Welt“.
Maria und Kirill sind auch am 23. 6. bei der „Nurejew Gala“ in der Wiener Staatsoper zu sehen.
www.wiener-staatsoper.at