Countdown für die Jugend-Winterspiele
In 101 Tagen finden in Innsbruck die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele statt. Was steckt dahinter?
Es gibt einfach kein Entrinnen. Ob man nun will, oder nicht: Früher oder später läuft man in Innsbruck immer dem Yoggl über den Weg. Der Yoggl, ein Gamsbock in bunter Latzhose, lacht von Plakatwänden, steht an Kreuzungen und neulich war er sogar zu Gast beim Bundespräsidenten.
So soll Yoggl, das offizielle Maskottchen, auf ein historisches Sport-Ereignis einstimmen, das in 101 Tagen in Innsbruck über die Bühne gehen wird. Auch wenn darüber drei Monate vorher noch kaum jemand genau Bescheid weiß.
Premieren
YOG - hinter diesen drei Buchstaben verbergen sich die Olympischen Jugendspiele, die jüngste Erfindung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Seit 2010, seit den ersten Sommer-Spielen in Singapur, dürfen auch Jungsportler zwischen 14 und 18 Jahren um olympische Goldmedaillen kämpfen.
2012 erleben nun die Winterspiele in Innsbruck eine Premiere (13. bis 22. Jänner) - und das gleich im doppelten Sinn. Denn Innsbruck, Austragungsort der Winterspiele 1964 und 1976, wird die erste Stadt der Welt sein, in der zum dritten Mal das olympische Feuer entzündet wird. "Das ist eine Auszeichnung für Innsbruck", gerät ÖOC-Präsident Karl Stoss regelrecht ins Schwärmen.
Konkurrenz
Doch wird auch die Bevölkerung Feuer und Flamme für die ersten Jugendspiele sein? Werden sich die österreichischen Sport-Fans tatsächlich olympische Gedanken machen, oder gilt die gesamte Aufmerksamkeit wie eh und je den Klassikern wie Hahnenkammrennen oder Skifliegen am Kulm, die zeitgleich stattfinden?
"Wir haben in Singapur 2010 gesehen, dass das Konzept funktioniert und die Leute die Jugendspiele annehmen", meint YOG-Geschäftsführer Peter Bayer und ruft gleich einmal das Motto für den 100-Tage-Countdown aus: "Es soll in ganz Österreich eine Aufbruchstimmung entstehen."
Pilotprojekte
Um den 1059 Nachwuchs-Athleten aus knapp 70 Nationen einen würdigen Rahmen zu bieten, wird bei allen Bewerben deshalb auch kein Eintritt verlangt. Die Medaillen werden übrigens in fast allen Winter-Kernsportarten wie Ski alpin, Langlauf, Rodeln oder Eiskunstlauf vergeben. Dazu kommen völlig neue Formate wie Mixed-Staffeln (Biathlon, Langlauf) oder gar nationenübergreifende Mannschaften (Curling, Short-Track). Und erstmals überhaupt in der Olympia-Geschichte stehen Damen-Skispringen sowie Ski-Halfpipe auf dem Programm.
Die Jagd nach Medaillen und Trophäen, so das Leitmotiv der YOG, soll freilich nicht im Mittelpunkt stehen. "Eigentlich sind die Spiele als interkulturelles Sportfest gedacht", erklärt Bayer, "es geht um das Vermitteln der olympischen Werte." Zahlreiche Bildungsprogramme und kulturelle Veranstaltungen, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind, sollen den Jugendspielen zum Erfolg verhelfen.
In Innsbruck brennt das olympische Feuer übrigens noch vergleichsweise auf Sparflamme. Bei der Premiere im vergangenen Jahr in Singapur soll allein die protzige Eröffnungsfeier beinahe so viel gekostet haben wie nun in Österreich die Organisation der gesamten Jugendspiele (23,7 Millionen Euro).