freizeit.at kurier.at events.at motor.at futurezone.at film.at k.at kurier.tv profil.at lust-auf-oesterreich.at phase6 Lernhaus BAZAR IMMMO Partnersuche Spiele
Russlands Schwimmern droht der Untergang. © Bild: APA/AFP/ALEXANDER NEMENOV
Doping
23.03.2016

"Organisierte Drogenkultur" im russischen Schwimmsport

Der russische Dopingskandal dürfte sich nicht auf Leichtathletik beschränken.

Der russische Sport scheint von einem weit größeren Dopingskandal als bisher angenommen betroffen zu sein. Nicht nur die Leichtathletik, auch der russische Schwimmsport soll von Doping durchzogen sein, berichtet die englische Zeitung The Times. Dem Bericht zufolge, der auf umfangreichen Recherchen beruhe, gebe es Beweise für eine "organisierte Drogenkultur" im russischen Schwimmsport in den vergangenen zehn Jahren.

Die "Times" enthüllte unter anderem Betrug durch einen bereits in Ungnade gefallenen Mediziner, mit illegalen Drogenlaboren und vertuschten Dopingtests. So soll Sergej Portugalow, Chefmediziner der seit vier Monaten suspendierten russischen Leichtathleten, auch den Schwimmern leistungssteigernde Mittel verabreicht haben.

Julia Jefimowa vielleicht nur der Anfang

Eine Zeugin sagte aus, dass es bei einem Wettkampf in Moskau am Schwimmbecken eine "Apotheke" gegeben habe, um die Athleten mit "Pillen und Medizin" zu versorgen. Zwei positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestete Aktive seien nie bestraft worden. Laut "Times" wurden Zeugen eingeschüchtert. Ihnen wurden Repressalien angedroht, falls sie mit ihrem Wissen über Doping an die Öffentlichkeit gehen.

© Bild: dapd(c) AP
Der russische Schwimmsport war in den Fokus geraten, nachdemWeltmeisterin Julia Jefimowa die Einnahme des seit 1. Jänner durch die WADA verbotenen Herzmedikaments Meldonium nachgewiesen wurde. Jefimowa wies die Anschuldigung sofort zurück, sie wolle ihre Unschuld beweisen. Zuvor waren bereits zahlreiche russische Leichtathleten und auch Tennis-Star Maria Scharapowades Meldonium-Dopings überführt worden.

Untersuchung durch Welt-Anti-Doping-Agentur möglich

WADA-Präsident Craig Reedie schloss Untersuchungen nicht aus. "Falls diese Vorwürfe korrekt sind, gehen sie sicherlich auch die WADA etwas an - und wir werden sie genau prüfen", sagte Reedie der "Times". Die russische Schwimm-Föderation dementierte umgehend, dass positive Dopingtest vertuscht worden seien. Der Weltverband habe sich auf Anfrage der Zeitung vorläufig noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

epa04946894 Vitaly Mutko of Russia, Member of the FIFA Executive Committee, arrives at the FIFA headquarters in Zurich, Switzerland, 24 September 2015. The FIFA Executive Committee meeting takes place on 24/25 September 2015 at the Home of FIFA in Zurich. Key discussion points are the preparations for the various FIFA competitions, the task force on womenís football, the reform process as well as the approval of the agenda for the extraordinary FIFA Congress on 26 February 2016 in Zurich. EPA/WALTER BIERI © Bild: APA/EPA/WALTER BIERI
Portugalow habe nach E-Mail-Anfrage der Zeitung zwar Antworten zugesagt, sich dann aber nicht mehr gemeldet. Die Anti-Doping-Kommission im russischen Sportministerium kündigte eine Antwort "bis zum Wochenende" an. Sportminister Vitali Mutko kündigte unterdessen an, dass er seinen Rücktritt in Betracht ziehe, sofern das von ihm verlangt werde.