"Organisierte Drogenkultur" im russischen Schwimmsport
Der russische Dopingskandal dürfte sich nicht auf Leichtathletik beschränken.
Der russische Sport scheint von einem weit größeren Dopingskandal als bisher angenommen betroffen zu sein. Nicht nur die Leichtathletik, auch der russische Schwimmsport soll von Doping durchzogen sein, berichtet die englische Zeitung The Times. Dem Bericht zufolge, der auf umfangreichen Recherchen beruhe, gebe es Beweise für eine "organisierte Drogenkultur" im russischen Schwimmsport in den vergangenen zehn Jahren.
Die "Times" enthüllte unter anderem Betrug durch einen bereits in Ungnade gefallenen Mediziner, mit illegalen Drogenlaboren und vertuschten Dopingtests. So soll Sergej Portugalow, Chefmediziner der seit vier Monaten suspendierten russischen Leichtathleten, auch den Schwimmern leistungssteigernde Mittel verabreicht haben.
Julia Jefimowa vielleicht nur der Anfang
Eine Zeugin sagte aus, dass es bei einem Wettkampf in Moskau am Schwimmbecken eine "Apotheke" gegeben habe, um die Athleten mit "Pillen und Medizin" zu versorgen. Zwei positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestete Aktive seien nie bestraft worden. Laut "Times" wurden Zeugen eingeschüchtert. Ihnen wurden Repressalien angedroht, falls sie mit ihrem Wissen über Doping an die Öffentlichkeit gehen.
Untersuchung durch Welt-Anti-Doping-Agentur möglich
WADA-Präsident Craig Reedie schloss Untersuchungen nicht aus. "Falls diese Vorwürfe korrekt sind, gehen sie sicherlich auch die WADA etwas an - und wir werden sie genau prüfen", sagte Reedie der "Times". Die russische Schwimm-Föderation dementierte umgehend, dass positive Dopingtest vertuscht worden seien. Der Weltverband habe sich auf Anfrage der Zeitung vorläufig noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.