Sensationsmeister Montpellier
Glücklich auch mit wenig Geld: In der Etat-Rangliste der französischen Ligue 1 ist Montpellier nur 14.
Meisterfeiern hat Montpellier schon viele erlebt – aber so eine noch nicht: Erstmals wurden die Fußballer des Hérault Sport Club französischer Meister. Bisher wurden immer die Handballer von AHB gefeiert, die in den letzten 18 Jahren 14 Titel gesammelt haben.
Am Sonntag waren also endlich die Fußballer an der Reihe, und so wurde in der 255.000 Einwohner großen Universitätsstadt nahe der Mittelmeerküste die Nacht zum Tag gemacht. Zehntausende feierten bis zum Morgengrauen, sie bejubelten den Triumph des Außenseiters, der es den Geldsäcken aus der Hauptstadt gezeigt hatte. Paris St-Germain, seit vergangenem Sommer mit direktem Zugang zu einem katarischen Geldspeicher ausgestattet und seither um 100 Millionen Euro aufgerüstet, blieb nur der zweite Platz.
Mit dem 2:1-Sieg bei Absteiger AJ Auxerre wurde der erste Meistertitel in 93 Jahren Vereinsgeschichte perfekt gemacht. "À la folie", titelte die Sportzeitung L’Équipe, "auf den Wahnsinn". Und es war in der Tat ein Wahnsinn, was sich im Fernduell zwischen Montpellier und Paris SG abspielte im Finish der Ligue 1.
Randale
Die Partie in Auxerre musste zwei Mal unterbrochen werden, insgesamt fast eine Dreiviertelstunde lang, weil Anhänger des Tabellenletzten den Abstieg nach 32 Jahren im Oberhaus nicht verkrafteten und Böller, bengalische Feuer, Paradeiser, Tennisbälle und Toilettenpapier aufs Spielfeld warfen. Doch Montpellier ließ sich weder vom frühen Rückstand noch von den Tumulten beeindrucken, der nigerianische Stürmer John Utaka stellte den Titelgewinn der Südfranzosen mit seinen beiden Toren sicher.
Ähnliche Szenen gab es auch beim Auswärtsspiel der Pariser in Lorient, dort waren es allerdings die berüchtigten PSG-Fans, die für Tumulte auf den Rängen sorgten. Am Ende siegte ihr Team mit 2:1, doch das genügte nicht, um den Drei-Punkte-Rückstand auf Montpellier aufzuholen.
Vater des Wahnsinns ist Louis Nicollin, 68, dem ein Entsorgungsunternehmen gehört und der seit 38 Jahren die Geschicke des HSC Montpellier lenkt. 33 Millionen Euro beträgt der Etat seines Klubs, ein Fünftel dessen, was PSG ausgibt, das ist Platz 14 in der Ligue 1.
Und somit war auch das Fazit von René Girard, dem Trainer von Montpellier, abzusehen: "Wir haben bewiesen, dass auch im Fußball Geld allein nicht glücklich macht."
-
Hintergrund
-
Hauptartikel