Mit Sympathie gegen die Macht des Geldes
Mit Montpellier steht in Frankreich eine graue Maus vor dem Titel, Paris SG droht eine teure Peinlichkeit.
Eine graue Maus probt den Aufstand: Sieben Runden vor Ende der französischen Meisterschaft erklomm der HSC Montpellier die Spitze der Ligue 1 – und nun, im 93. Jahr der Klubgeschichte, soll auch der erste Liga-Titel her.
"Montpellier hat den Lauf eines Champions", lobt L’Équipe. In Zahlen bedeutet das: In den letzten fünf Runden wurde vier Mal gewonnen und ein Remis geholt – Torbilanz: 7:2. In der letzten Runde gilt es am heutigen Sonntag, ab 21 Uhr bei Fixabsteiger Auxerre zu bestehen. Ein Punkt würde genügen, selbst eine Niederlage könnte reichen, wenn Verfolger Paris Saint-Germain bei Mittelständler Lorient nicht siegt – immerhin trennen drei Punkte die beiden Klubs, die zwar die gleiche Tordifferenz haben (+33), doch PSG hat mehr Treffer erzielt (73:40 gegen 66:33).
Nicht nur die Fans des Hérault Sport Club, auch etliche Konkurrenten drücken den Kickern in den dunkelblau-orangen Trikots im Fernduell mit den ungeliebten Hauptstädtern die Daumen. "Es wäre schön, wenn Montpellier den Titel holt, damit bewiesen wird, dass Geld im Fußball nicht alles ist", sagt etwa David Sauget, der Außenverteidiger des FC Sochaux.
Bislang geht die Rechnung auf: Paris Saint-Germain, der seit vergangenem Sommer dank katarischer Finanzkraft schier endlos reiche Klub aus der Metropole, hechelt trotz Transferausgaben von 100 Millionen Euro den Südfranzosen atemlos hinterher.
Ein Erfolgsbringer ist Younès Belhanda: "Er ist magisch, ein Künstler", schrieb L’Équipe über Montpelliers Nummer zehn. Der 22-jährige Spielmacher ist marokkanischer Teamspieler – wurde aber in Avignon geboren und ist deswegen Doppelstaatsbürger.
Talente
Belhanda ist nur eines der Talente des Noch-nicht-ganz-Meisters, Stürmer Olivier Giroud, 25, ist ein anderes. Mit 21 Treffern in bislang 35 Spielen für HSC hat er die Begehrlichkeiten der europäischen Großklubs geweckt, kürzlich bestätigte der 1,92-Meter-Hüne Kontakte zu Champions-League-Finalist Bayern.
Zuvor aber peilt der 25-Jährige mit Montpellier die französische Meisterschaft an. Damit die 250.000 Einwohner der Stadt nahe der Mittelmeerküste einmal eine andere Mannschaft als die Handballer feiern können (14 Meistertitel in den letzten 18 Jahren) – der Rugby-Klub verlor ja im vergangenen Jahr sein erstes Meisterschaftsfinale.