Löw macht sich "keine großen Sorgen"
Der deutsche Bundestrainer versucht nach dem 3:5-Debakel gegen die Schweiz zu beschwichtigen.
Es war nur ein Testspiel. Und doch schrillen in Deutschland nach dem 3:5 gegen die
Schweiz zwei Wochen vor Begin der Euro die Alarmglocken. Immerhin hat das deutsche Nationalteam in seinen bisher 857 Länderspielen nur in 17 fünf oder mehr Gegentore kassiert (drei Mal gegen Österreich), seit Ende des Zweiten Weltkriegs gar nur in fünf.
"Viele Dinge haben nicht gepasst", gestand der Bundestrainer
Joachim Löw: "Aber es macht mir keine großen Sorgen, weil ich weiß, dass wir uns in der nächsten und übernächsten Woche eindeutig verbessern werden. Wir werden schon richtig in die Spur kommen."
Ein Lichtblick ist für Löw, dass ihm nach der Rückkehr ins Trainingslager in Tourrettes ab sofort auch die acht Akteure des FC Bayern zur Verfügung stehen. Ohne Kapitän Philipp Lahm und Co. lief es im vorletzten EM-Test überhaupt nicht. "Es hat nur wenig funktioniert. Man hat gesehen, dass wir noch keine eingespielte Mannschaft waren", sagte der Dortmunder Mats Hummels.
Löchrige Abwehr
Besonders die Abwehr war löchriger als ein Schweizer Käse: "Die gesamte Defensivleistung war nicht gerade berauschend", gestand Löw. Bis Dienstag muss der
Bundestrainer noch drei Feldspieler und einen Tormann aussortieren. Das Schweiz-Spiel sei jedoch dafür kein "individuelles Schaulaufen" gewesen, sagte Löw: "Einzelne Spieler jetzt aufgrund einer Situation, eines Spiels, eines Kurzeinsatzes zu bewerten, wäre völlig falsch."
Bei der Suche nach der Formation, die am 9. Juni gegen Portugal in die EM starten soll, kam Löw in Basel jedenfalls nicht weiter. Abwehrchef Per Mertesacker und Torjäger Miroslav Klose konnten nach ihren langen Wettkampfpausen keine Bedenken ausräumen. "In machen Situationen hat man logischerweise gespürt, dass es im Wettkampf ein bisschen anders aussieht als in den Trainingseinheiten", räumte Löw ein.
Deutsche Niederlagen mit mindestens fünf Gegentreffern
| 05.04.1908 | 3:5 | in Basel gegen Schweiz |
|---|---|---|
| 20.04.1908 | 1:5 | in Berlin gegen England |
| 13.03.1909 | 0:9 | in Oxford gegen England |
| 24.03.1912 | 5:5 | in Zwolle gegen Niederlande |
| 29.06.1912 | 1:5 | in Stockholm gegen Österreich (OS) |
| 23.11.1913 | 2:6 | in Antwerpen gegen Belgien |
| 07.09.1930 | 3:6 | in Kopenhagen gegen Dänemark |
| 24.05.1931 | 0:6 | in Berlin gegen Österreich |
| 13.09.1931 | 0:5 | in Wien gegen Österreich |
| 17.10.1936 | 2:5 | in Dublin gegen Irland |
| 14.05.1938 | 3:6 | in Berlin gegen England |
| 24.09.1939 | 1:5 | in Budapest gegen Ungarn |
| 20.06.1954 | 3:8 | in Basel gegen Ungarn (WM) |
| 28.06.1958 | 3:6 | in Göteborg gegen Frankreich (WM) |
| 01.09.2001 | 1:5 | in München gegen England |
| 28.04.2004 | 1:5 | in Bukarest gegen Rumänien |
| 26.05.2012 | 3:5 | in Basel gegen die Schweiz |
Peinliche Niederlage auch für Niederlande
Ähnlich wie sein deutscher Kollege war auch der niederländische Teamchef
Bert van Marwijk bemüht, nach der peinlichen 1:2-Heimniederlage gegen Bulgarien keine Krisenstimmung aufkommen zu lassen. "Das Ergebnis ist natürlich enttäuschend. Wir haben zu wenig Chancen herausgespielt und uns schlecht bewegt, aber wir werden daraus lernen."
Der Teamchef musste sich nach dem Match Kritik an seinem System gefallen lassen. Van Marwijk versuchte es erneut mit seinen beiden Top-Torjägern
Robin van Persie und Klaas-Jan Huntelaar zusammen in der Startformation, was gründlich misslang. "Van Marwijk hat nach Namen aufgestellt und dann für die Spieler Positionen gesucht", monierte Marco van Basten.
Van Marwijk wies die Schelte seines Vorgängers zurück. "Das hat Marco nicht richtig gesehen. Er sieht eben auch nicht immer alles richtig", meinte der 60-Jährige. "Ich fand, Robin und Klaas haben das in der ersten Hälfte sehr gut gemacht. Beide haben sich sehr gut an die Absprachen gehalten." Kapitän Mark van Bommel reagierte auf Kritik an der Aufstellung genervt. "Es ist nie gut. Ich habe keine Lust auf taktische Diskussionen", sagte der Mittelfeldspieler.
Portugal nur 0:0 gegen Mazedonien
Neben Deutschland und den Niederlanden lieferten auch die beiden weiteren Teams des als "Horrorgruppe" titulierten EM-Pools B enttäuschende Darbietungen ab. Portugal kam daheim mit
Cristiano Ronaldo gegen Mazedonien nicht über ein 0:0 hinaus, Dänemark war in Hamburg beim 1:3 gegen ein verstärktes Junioren-Team der Brasilianer chancenlos. "Wir haben bisher physische Dinge trainiert, nun müssen wir an den taktischen und mentalen Bereich gehen", entschuldigte Teamchef Morten Olsen die müde Spielweise seiner Kicker, die vor allem in der ersten Hälfte neben sich gestanden waren.
"An guten Tagen können wir auch mit Deutschland, Holland und Portugal mithalten", meinte Mittelfeldspieler Kvist trotzig. An eine Rolle von "Danish Dynamite" wie bei der EM 1992, als die Dänen als Ersatz für das suspendierte Jugoslawien einsprangen und Europameister wurden, glaubt Kvist aber nicht. "Damals waren Urlaub, McDonald`s und Bier." Diese Unbekümmertheit gebe es diesmal nicht.
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