Der Internationale Sportgerichtshof greift gegenüber russischen Dopingsündern hart durch.
Die russischen Bemühungen, doch noch eine Leichtathletik-Delegation zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im August entsenden zu dürfen, haben einen schweren Schlag erlitten. Der Internationale SportgerichtshofCAS erkannte am Donnerstag sechs Athletinnen und Athleten des russischen Verbandes ihre Olympia-Siege und WM-Medaillen ab und gab damit einem Einspruch des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF nach.
Die Geher Sergej Kirdjapkin und Olga Kaniskina müssen wegen Dopings ihr Olympia-Gold beziehungsweise -Silber von London 2012 zurückgeben. Kaniskina darf allerdings ihre Goldmedaille über 20 Kilometer von Peking 2008 behalten - für diesen Zeitraum sperrte sie der CAS nicht. Auch zwei Weltmeistertitel sind verloren: Julia Zaripowa hatte 2013 im südkoreanischen Daegu den 3000-Meter-Hürdenlauf gewonnen, Sergej Bakulin gewann die 50 Kilometer im Gehen.
Im Mai fällt die Entscheidung über Olympia
Diese Titel gehen nun an die Tunesierin Habiba Ghribi beziehungsweise Bakulins Landsmann Denis Nischegorodow. Als Olympiasieger über 50 Kilometer von London 2012 gilt nun der Australier Jared Tallent - wenn die IAAF und das Internationale Olympische Komitee der CAS-Entscheidung zustimmen, wovon aber auszugehen ist. Silber würde dann an den Chinesen Si Tianfeng gehen, Bronze an den Iren Rob Heffernan.
Zudem bestätigte der CAS die Entscheidungen der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA in zwei Fällen: Waleri Borchin, Weltmeister von 2009 und 2011 und Olympiasieger von 2008 über 20 Kilometer, war von den Russen für acht Jahre gesperrt worden, dabei waren seine beiden WM-Goldmedaillen bereits gestrichen worden. Ex-Weltrekordler Wladmir Kanaikin war gar lebenslang aus der Leichtathletik verbannt worden. Bei beiden sprach sich das CAS dagegen aus, Titel nur in zerstückelten Zeiträumen abzuerkennen.
Die russischen Geher hatten jahrelang die Disziplin beherrscht. Nachdem bei der einst so großen Leichtathletik-Nation immer mehr Skandale nachgewiesen wurden, sahen viele die RUSADA unter Handlungsdruck. Durch die ausgesprochenen Sperren konnten jedoch wichtige Titel behalten werden - bis jetzt das CAS nach dem IAAF-Einspruch entschied. Ob Russland eine Leichtathletik-Delegation nach Rio senden darf, entscheidet das 27-köpfige IAAF-Council im Mai.