USA: Abtreibungsgegner machen mobil
Im konservativen Bundesstaat Mississippi stimmten die Bürger über radikale Abtreibungsverbote ab.
Eine schwangere Frau, die Alkohol trinkt, könnte in Zukunft im US-Bundesstaat Mississippi wegen Körperverletzung verfolgt werden. Eine Chemotherapie einer krebskranken Schwangeren - egal in welcher Woche - würde sie zur Mörderin machen. Die "Pille Danach" wäre verboten.
Mississippi hat am Montag über das "Menschsein" abgestimmt. Abtreibungsgegner hatten in dem konservativen Bundesstaat zum Ja bei einer Volksentscheidung aufgerufen, die eine Verfassungsänderung des Staates Mississippi (in dem es nur eine einzige Klinik gibt, die Abtreibungen durchführt) anstrebt. Im geplanten 26. Anhang wird präzise definiert, wo das "Menschsein" anfängt. Für die Initiatoren der Abstimmung ist ein Lebewesen nämlich bereits ab dem Moment der Befruchtung ein Mensch. Was jegliche Abtreibung zum Mord macht.
Nationales Thema
In den USA fällt der Schwangerschaftsabbruch bis zur 24. Woche laut Bundesrecht seit 1973 unter das Recht auf Privatsphäre. Die Diskussion um das Thema gibt es schon wesentlich länger. Wenn Anhang 26 angenommen wird, dann könnte er zu einem großen nationalen Thema werden - vor allem in Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr. Das betrifft insbesondere die Republikanische Partei, deren Wähler sich zu einem Großteil zu den Abtreibungsgegnern zählen.
Doch jene drei Männer, die sich gerade als republikanische Präsidentschaftskandidaten bewerben, glänzen in dieser Frage nicht gerade durch Geradlinigkeit. Während Mitt Romney die Abtreibung früher befürwortete, sich jetzt aber für die Novelle aussprach, drücken sich auch Rick Perry und Herman Cain schwammig aus. Perry sagte einst, dass die Abtreibung Sache des jeweiligen Bundesstaats ist, Cain, dass Abtreibung erlaubt sein sollte. Beide revidierten diese Statements später wieder. Das Ergebnis blieb zwar bis zuletzt offen, die Befürworter schienen aber die Nase vorne zu haben. Fakt ist, dass ähnliche Bestreben in den Bundesstaaten Colorado und South Dakota scheiterten.
Washington: Schnaps trinken gegen Wirtschaftskrise
Auch im Bundesstaat Washington an der Nordwestküste der USA fragte man nach der Meinung des Volkes. Dort stand zur Debatte, ob die staatlichen Alkoholgeschäfte ("Liquor Stores") 78 Jahre nach Ende der Prohibition nun an private Betreiber verkauft werden dürfen. Der Hintergrund: Die schlechte Wirtschaftslage. Die Behörden erhoffen sich laut der Süddeutschen Zeitung 480 Millionen Dollar (350 Mio. Euro) Lizenzeinnahmen in den nächsten sechs Jahren.
In den meisten US-Bundesstaaten dürfen alkoholische Getränke - als Überbleibsel der Prohibition, die 1919 vom Kongress eingeführt worden war - nur in speziell ausgewiesenen Shops verkauft werden. In 17 Staaten werden diese Liquor Stores immer noch ausschließlich von der Regierung betrieben.
Gesundheitsexperten warnen unterdessen vor den Folgen. Der Pro-Kopf-Konsum würde steigen, wenn der Alkoholverkauf privatisiert würde, warnen sie. Ebenso führe die Liberalisierung zu mehr Jugendalkoholismus, Verkehrsunfällen und häuslicher Gewalt.