Strache nennt Stronach "Steuerflüchtling"
Erholt vom Urlaub tritt der FPÖ-Chef an, um gegen seinen neuen Mitbewerber Frank Stronach auszuteilen. Bei der Kritik an Haider rudert er zurück.
Der freiheitliche Parteichef fühlt sich in Sachen Haider missverstanden, ist gegen neue Steuern und denkt über Studiengebühren nach.
KURIER: Wann haben Sie Frank Stronach zuletzt getroffen?
Heinz-Christian Strache: Ich habe ihn noch nie getroffen.
Und wie beurteilen Sie ihn?
Ein interessanter Mann, ein großer Unternehmer aus Kanada, der dann auch in Österreich viele Arbeitsplätze geschaffen hat. Er hat aber auch viele Förderungen eingestreift und vom Eurofighter-Deal profitiert. Ich habe aber Respekt vor einem 80-Jährigen, der Österreich erneuern will. Andererseits macht er sich Sorgen um Österreich, bevorzugt aber, ein Steuerflüchtling im Steuerparadies in der Schweiz zu sein.
Fürchten Sie nicht Stimmenverluste durch Stronach für die FPÖ, weil auch er gegen den Euro wettert?
Nein. Die Menschen gehen zum Schmied und nicht zum Schmiedl.
Stronach sucht Personal. Er hat schon SPÖ-Mandatar Köfer geholt. Glauben Sie, er wird auch im FPÖ-Klub fündig?
Offenbar hat er große Probleme, sonst würde er sich nicht selbst nominieren. Und er hat sich schon immer Politiker gekauft, siehe Vranitzky, Rudas, Grasser, Westenthaler. Aber mit Geld kann man nicht alles kaufen, mich nicht und gewiss auch sonst niemanden aus der FPÖ – und auch keine Stimmen.
Die SPÖ setzt im Wahlkampf auf Reichensteuern. Wo steht da die FPÖ?
Die SPÖ hat gerade Kindergeld und Pflegebeihilfe gekürzt – so viel zur Steuergerechtigkeit der SPÖ. Da dreht sich Kreisky im Grab um.
Fordern Sie Reichensteuern?
Wir haben längst Reichensteuern, wenn Menschen 50 Prozent ihres Gehalts abliefern. Einkommenssteuern müssen gesenkt werden. Erbschafts- oder Schenkungssteuern haben hier nichts verloren, weil da versteuertes Geld erneut versteuert wird. Das ist Unsinn.
Wollen Sie wieder Studiengebühren?
Die können Sinn machen. Wir haben 2008 die ungerechte Regelung abgeschafft, dazu stehe ich, weil viele gezahlt und dann schlechte Bedingungen vorgefunden haben. Aber wenn die Qualität sichergestellt ist, und wenn jeder Maturant einen Studienplatz bekommt, dann machen sie Sinn.
Tut es Ihnen eigentlich leid, Haider korrupt genannt zu haben?
Da bin ich absichtlich missverstanden worden. Haider hat große Verdienste, und ich habe größten Respekt vor ihm.
Sie sagten wörtlich: Haider hat sich korrumpieren lassen.
Ich habe den Begriff korrumpiert verwendet, das heißt nicht, dass er korrupt war. Ich wollte sagen, dass er Teil des Systems wurde, das er nicht mehr zu ändern geschafft hat. Ich würde nie auf einen Toten hinhauen, der sich nicht wehren kann. Aber es hat in Haiders Umfeld Leute gegeben, die jetzt nicht umsonst unter Korruptionsverdacht stehen.
Dörfler, Dobernig und Scheuch?
Ich spreche von Scheibner, Grasser und einigen Ex-ÖVP-Ministern.
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Hintergrund
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