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© Bild: REUTERS
Politik
22.07.2012

Schizophrener Mörder hielt Opfer für Alien

Weil er dachte, sein Sitznachbar in einem kanadischen Bus sei ein Außerirdischer, köpfte er ihn. Nun äußerte Li sich in einem Interview.

Am 30. Juli 2008 brach die Welt von Tim McLeans Familie zusammen: Weil Vince Weiguang Li dachte, sein schlafender Sitznachbar in einem kanadischen Greyhound-Bus sei ein Außerirdischer, tötete er den Mann vor den Augen von mehr als 30 geschockten Passagieren mit zahlreichen Messerstichen und trennte dem 22-Jährigen anschließend den Kopf ab. Die Polizisten der Kleinstadt Portage la Prairie, in der die Bluttat passierte, gaben zudem an, sie hätten gesehen, wie Li Teile des Toten gegessen habe. In seinen Jackentaschen wurden damals die Nase, ein Ohr und die Zunge des Opfers gefunden.

Im März 2009 wurde der chinesische Einwanderer wegen seiner Schizophrenie von einem Gericht als nicht schuldfähig eingestuft und in die psychiatrische Klinik Selkirk eingewiesen. Noch immer wird er dort medikamentös behandelt, mittlerweile darf er die Klinik in Begleitung tagsüber ab und zu verlassen. Der kanadischen Gesellschaft für Schizophrenie gab der 44-Jährige nun ein Interview, in dem er über seine Erkrankung, sein heutiges Leben und seine Zukunft sprach.

Stimmen

Mit der Enthauptung von Tim McLean habe er die Welt vor Außerirdischen schützen wollen, erklärte Li in dem 45-minütigen Interview. Stimmen hätten ihm befohlen, den Mann umzubringen. Bereits seit 2004 habe er "die Stimme Gottes" gehört, die ihm gesagt habe, er sei der nächste Jesus und müsse die Menschheit vor einem "Alien-Angriff" bewahren. "Ich glaube das jetzt nicht mehr", sagte Li.

Nachdem er 2008 Teile seines Besitzes verkauft hatte, sei er auf Befehl der Stimme durch das Land gefahren. Davor habe er seiner Ex-Frau einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er schrieb: "Ich bin weg. Suche mich nicht. Ich wünschte, du wärst glücklich."

Auf der Reise habe er sich ein Messer besorgt, um sich gegen eventuelle Alien-Angriffe schützen zu können. Er habe sehr große Angst gehabt, und zu dem Zeitpunkt noch nicht gewusst, dass er schizophren sei, so Li. Während der Busfahrt hätten ihm Stimmen dann befohlen, McLean umzubringen, da dieser sonst ihn und andere töten würde.

Schuldgefühle

Die Tat selbst würde er großteils verdrängen, so Li. Er lenke sich ab, zu schmerzhaft seien die Gedanken an das, was er getan hat. Zudem sagte er, dass ihn die kanadische Polizei vielleicht besser hätte töten sollen, andererseits sei er aber dankbar, noch am Leben zu sein.

Die Schuldgefühle jedenfalls scheinen schwer zu wiegen. In dem Interview bat er die Familie des Opfers mehrfach um Verzeihung: "Es tut mir leid, dass ich so viel Schmerz verursacht habe. Ich wünschte, ich könnte den Schmerz mildern". Auf die Frage, ob er jemals wieder glücklich sein werde, antwortete Li: "Nein. Ich werde den Greyhound-Bus niemals vergessen".

Zu seinen Zielen und Perspektiven befragt, meinte Li, dass sollte er aus der psychiatrischen Klinik entlassen werden, wolle er sich einen anderen Namen zulegen – und vor allem dafür sorgen, dass so etwas wie auf der Busfahrt bei Portage la Prairie nie wieder passiert.

Bis zu 100.000 Schizophrenie-Patienten in Österreich

Experten zufolge sind in Österreich rund 80.000 bis 100.000 Menschen an einer Schizophrenie erkrankt, meist sind sie zwischen 18 und 35 Jahre alt. Bei der Schizophrenie handelt es sich um eine vielschichtige Erkrankung, bei der es zu gravierenden Veränderungen der Wahrnehmung, des Denkens und der Gefühle kommt. Mehr dazu erfahren Sie hier.