Jeder 5. Österreicher hat schon mal gekifft
Drogenbericht: Cannabis wird immer beliebter und synthetische Drogen werden immer gefährlicher. Der Handel im Internet boomt.
Der Joint wird salonfähig. Denn laut des neuen Drogenberichtes des Gesundheitsministeriums hat bereits jeder fünfte Österreicher (zwischen 15 und 59 Jahren) Haschisch probiert. Und bei den jungen Erwachsenen (zwischen 15 und 24 Jahre) kiffen 30 bis 40 Prozent. Zum Vergleich: 2010 waren es in dieser Altersgruppe noch knapp über 26 Prozent.
"Cannabis ist zur Alltagsdroge geworden", bestätigt Österreichs Drogen-Koordinatorin Johanna Schopper aus dem Gesundheitsministerium. "Haschisch wird vor allem von der Jugend in großem Ausmaß probiert und konsumiert."
Studienautorin Marion Weigl vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) sieht noch einen weiteren Grund für diese Steigerung: "Es liegt im Trend, den Cannabiskonsum nicht mehr als Tabu anzusehen. Vor allem die Jüngeren schmücken sich sogar damit."
Parallel zum steigenden Cannabiskonsum konfisziert die Exekutive - verstreut über das Bundesgebiet - auch immer häufiger Cannabis-Indoor-Plantagen.
Gefährlicher Trend
Und ein weiterer gefährlicher Trend bereitet den Behörden massive Sorgen. Denn speziell in der Partyszene werden bewusstseinsverändernde Stoffe gedealt, deren Wirkung völlig unbekannt ist. Schopper erklärt: "Die Party-Drogen-Konsumenten kaufen halt ein Pulver, von dem sie zumeist nicht wissen, was an Substanzen wirklich drin ist." Studienautorin Weigl ergänzt: "Die vorwiegend jungen Konsumenten werden somit freiwillig zum Versuchskaninchen."
Dealen im Internet
Die Verwendung dieser Designer-Drogen ist zum Teil nicht einmal verboten, da der Gesetzgeber die Produkte gar nicht kennt und somit nicht verbieten kann. Denn viele Rezepturen ändern sich von einem Tag auf den anderen.
Zusätzlich gilt das Internet als Tummelplatz für Dealer und Abnehmer. Dort werden synthetische Drogen im großen Stil angeboten. Sie werden in der Regel in Hinterhof-Labors in den ehemaligen Ostblockländern sowie in China produziert. "Da sind sehr viele verschiedene Substanzen im Umlauf. Wie groß das Problem wirklich ist, weiß im Endeffekt niemand", räumt Drogen-Koordinatorin Schopper ein.
Im Vorjahr wurden in Österreich illegale Drogen im Wert von über 50 Millionen Euro beschlagnahmt. Das sind um 25 Prozent mehr als 2009. Im selben Vergleichszeitraum stiegen auch die Anzeigen wegen Drogenbesitzes auf 24.000 Vergehen (um 1000 mehr als 2009). Dafür sank die Zahl der Drogentoten von 187 auf 170.
Bei den Drogenopfern fiel auf, dass sie zumeist einen tödlichen Cocktail aus Opiaten, Tabletten und/oder Alkohol nicht überlebt hatten.
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