Eislaufschuhe für Flüchtlingskinder
Sachspenden: Caritas lobt Spendenbereitschaft. Manche Ideen sind aber mehr gut gemeint als gut.
Im Lager kontrolliert Amnesty International, davor herrscht scheinbar Ausnahmezustand: Eine Traube von mehr als 200 Menschen drängt sich vor der Caritas-Spendenausgabe. Auf dem Gehsteig sichten sie die Pakete, Hygieneartikel und Schlafsäcke sind es dieses Mal. Die Stimmung ist aufgeregt – aggressiv ist sie keine Sekunde.
Auch die meisten Anrainer nehmen es gelassen. Karl Frühwirth beobachtet die Szenerie am Gartenzaun – direkt gegenüber. "Seit 45 Jahren bin ich da. So war’s noch nie. Aber die Leute flüchten ja nicht aus Jux und Tollerei – die Politik ist es, die uns im Stich lässt."
Seit einem Monat steht die Caritas mit dem "Omni.Bus" vor der Traiskirchner Flüchtlings-Erstaufnahmestelle. Sie nimmt Spenden an, teilt Spenden aus. "Wir haben mittlerweile auf ein Voucher-System umgestellt", erklärt Matthias Drexl. Um das Chaos zu lindern. Es gelingt, wenn auch phasenweise nur bedingt.
Drexl ist die Anlaufstelle. Eine Anrainerin bittet ihn, doch keinen Rasierschaum mehr auszuteilen: "Die jungen Burschen versprühen ihn nur in den Büschen." Einer Frau muss er erklären, dass ihr Schein erst für Samstag gilt – mit Händen und Füßen, nachdem er mit Deutsch und Englisch gescheitert ist. Dazwischen teilt er Freiwillige ein.
Von denen gibt es genug, Spender auch. "Manchmal ist natürlich ‚gut gemeint‘ das Gegenteil von ‚gut‘", meint Klaus Schwertner, Caritas-Generalsekretär. Für Eislaufschuhe, die eine Frau geben wollte, hat man etwa keine Verwendung.
Kritik an der Caritas
Für das Spendenprojekt musste die Caritas anfangs auch Kritik einstecken. Zum Start hieß es aus dem Innenministerium, dass man ohnehin alles habe – außer Betten.
Die Lagerung der Güter in einem Zelt im Hof der Moschee und die zunächst planlos scheinende Ausgabe wurde bemängelt.
"Dass die Leute die Sachen brauchen, sieht jeder hier", entgegnet Schwertner, "mit einer neuen Halle in Baden arbeiten wir am Problem mit der Lagerung."
Trotzdem: Täglich kommen Menschen mit Autos voller Spenden – und verteilen sie lieber selbst. Zwei Studenten haben etwa von logistischen Problemen bei der Caritas gehört.
Mit ihrer Initiative Love wins haben sie in Graz Spenden gesammelt, mit fünf großen Säcken sind sie nach Traiskirchen gekommen – Kleidung, Lebensmittel, Hygieneartikel. "Wir wissen selber, dass das ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Uns geht es um die Message. Den Leuten zu sagen: ‚Tut auch was!‘"
Die beiden reichen ihre Spenden einzeln durch den Zaun. Andere teilen weiter auf der Straße aus. Caritas-Mitarbeiter Drexl: "Dinge, die nicht gebraucht werden, werden dann einfach auf der Straße entsorgt. Wir rufen dazu auf, nicht auf eigene Faust zu verteilen."