Politik/Inland

Strache gefiel Weihnachtsmarkt nicht: "Muslimische Zeltstadt"

2018 sei der Weihnachtsmarkt in Favoriten wieder schön, heißt es in einem Posting am Mittwochabend von Parteichef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Dafür sei angeblich ein FPÖ-Protest verantwortlich. Dass die FPÖ mit der Änderung zu tun hatte, bestreiten die Betreiber auf KURIER-Anfrage zwar ebenfalls, kontroverser als die Frage der Verantwortung ist allerdings eine andere Formulierung in Straches Posting

Während der Weihnachtsmarkt in Favoriten 2018 wieder "weihnachtliche Holzhütten" hätte, sei er 2017 eine "muslimische Zeltstadt" gewesen, heißt es im Sujet. Wie festlich man die Hütten mit ihren weißen Planen und Plastikdach findet, ist nun die eine Frage - und vor allem eine des Geschmacks. Was den Weihnachtsmarkt 2017 nun "muslimisch" gemacht haben soll, ist allerdings nicht ersichtlich.

In der für die Seite zuständigen FPÖ Bundesgeschäftsstelle war am Donnerstagmorgen bei Anrufen und auf E-Mails hin niemand für eine Erklärung erreichbar. Die User der Strache-Seite interpretierten die Aussage als Anspielung auf die Zeltlager von arabischen Beduinen, an welche die weißen Hütten einige von ihnen und Strache offenbar erinnern.

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Das Posting des Vizekanzlers sorgte in sozialen Medien natürlich nicht nur für Zustimung, sondern auch Verwunderung. "Kann mir jemand erklären was die Zelte mit Muslime zu tun haben???", fragte ein User dort. Unverständnis herrscht auch beim Marktamt Wien. Dort stört man sich schon an der Bezeichnung "Zelt", denn diese "Hütten mit Plastikdach" würden in Wien auch beim Silvesterpfad und am Genusspfad zum Muttertag verwendet. Die Hütten seien hygienisch und hätten den praktischen Vorteil, dass Schnee und Wasser schneller abrinnen und dabei niemanden treffen, heißt es in einem Statement gegenüber dem KURIER.

Auch der Veranstalter des Marktes hat den Beduinen-Vorwurf von der FPÖ im Vorjahr schon einmal gehört. Akan Keskin, der Obmann des Vereins zur Förderung des Marktgewerbes, der auch für den Christkindlmarkt am Rathausplatz verantwortlich ist, lacht laut, als der KURIER ihn am Donnerstag mit dem Strache-Posting konfrontiert: "Ich lebe seit 50 Jahren in Wien und feiere genauso Weihnachten, seien's mir nicht bös'."

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Hütten stehen bei vielen internationalen Events

Diese "Pagodenhütten" hätten mit dem Islam nichts zu tun, sagt er. Solche stünden etwa auch in Hamburg, Kitzbühl und in Paris unter dem Eiffelturm auf den Weihnachtsmärkten und würden etwa auch beim Heeresfest verwendet. Sie seien insbesondere bei schlechten Witterungsbedingungen schlicht praktisch. In der Zeit vor den Pagodenhütten hätten die Favoritener Standbetreiber bei Regen oder Schnee immer selbst Schirme aufgespannt - gerade auf engem Raum offenbar nicht immer ein praktisches Vorgehen.

Ihm sei als Dienstleister einfach daran gelegen, dass die Kollegen zufrieden seien, sagt Keskin. Auch weil der Favoritener Markt 2018 etwas kleiner geworden sei, habe man sich einfach wieder für die alten Hütten entschieden: "Auf Straches Protest hin sicher nicht."