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© Bild: apa/KURIER
Nägel mit Köpfen
05.11.2012

Politik als Phrasenschleuder

Welche Sprüche von Politikern besonders oft bemüht werden - und mit welcher Intention.

Fast könnte er einem abgehen: Wirkte Herbert Haupt schon zu seinen aktiven Zeiten wie ein Relikt, wäre ein Politiker wie er an vorderster Front heute denkunmöglich.

Bar jeder rhetorischer Fertigkeit, war ihm Intonation ebenso fremd wie Interpunktion. Seine Sätze kannten oft keinen Anfang und kein Ende, auch Sinn suchte man oft vergebens. Oder verstehen Sie das: "Ich werde mich bemühen, die Rosinen aus dem Feuer zu holen", oder das: "Die political correctness kann unser Rückgrat nicht verbiegen"? Das Einzige, das aus seinen Ergüssen meist hängen blieb, war "In aller Klarheit". Welch Ironie.

Weitgehend ironiefrei geht es heute zu. Die gängigen Phrasen kennen keine politischen Couleurs, und, weit schlimmer, kein Erschöpfungspotenzial: "Am Ende des Tages" machen alle "Nägel mit Köpfen".

Im Folgenden eine Auswahl der plattesten Phrasen im Politjargon.

Nachgefragt

Worthülsen, leere Redewendungen, Gegenfragen statt Antworten, unmotivierte Monologe: Politiker kommen dieser Tage an Sprachtrainings, Spindoktoren und Coachings nicht vorbei, so scheint es. Nach dem Phänomen der Überfrachtung von Sprache durch Trainings gefragt, gibt es interessante Antworten aus dem Institut für Sprachwissenschaften in Wien. "Das ist ein Phänomen, das vor allem Jörg Haider und die FPÖ mit NLP vorgemacht haben," meint Dr. Helmut Gruber. Besonders das sogenannte Neurolinguistische Programmieren (NLP) sei durch die FPÖ in den 90ern bekannt geworden.

Aber was machte die Wirkung damals aus? "Haider hat sich in den Interviews in den 90ern völlig anders gebärdet." Er konnte sich von den anderen Politikern dadurch hörbar unterscheiden. Je mehr auf spezielle Trainings zurückgreifen, desto mehr nimmt die Wirkung aber ab.

Politiker versuchen auch oft mit Idiomen und Dialekten zu punkten. Das komme zum Teil sehr gut an und suggeriere Bodenständigkeit und Authentizität, sagt Gruber. Haider punktete demnach mit einer Mischung aus "oberösterreichischem Dialekt und pseudo-kärntnerisch". Kreisky redete wienerisch, kam aber auch nicht inhaltsleer herüber.

Sidestep

Im US-Präsidentschaftswahlkampf erzielten beide Kandidaten in der Disziplin des Phrasendreschens Höchstleistungen. Findige Zuseher haben daraus ein Trinkspiel für die TV-Debatten kreiert. Hierzulande sollte man davon aber vielleicht Abstand nehmen – bei den vielen Worthülsen besteht ein nicht geringes Suchtpotential.