Politik/Ausland

Mit dem Klavier gegen Gasgranaten

Die Luft am Taksim-Platz war in der Nacht auf Donnerstag aufgeladen – nach den Ausschreitungen der vorangegangenen Nächte stellten sich die Demonstranten in Istanbul darauf ein, erneut von der Polizei attackiert zu werden. Zwei Nächte lang waren Steine geflogen; die Antwort der Exekutive darauf waren Gasgranaten.

"Imagine" für Polizei und Demonstranten

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Hinter den Barrikaden stieg laut Beobachtern die Nervosität – bis zu jenem Zeitpunkt, alsDavide Martellodie Szenerie betrat: Der junge Mann schob bedächtig einen Flügel mitten auf den Taksim-Platz, das Epizentrum der Eskalation, und begann seelenruhig, darauf zu spielen. Im Angesicht der Polizeigewalt intonierte er Bach und John Lennon, dessen Friedenshymne „Imagine“ soll auch darunter gewesen sein.
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Der Effekt war einzigartig,berichten Augenzeugen: Während des Auftritts des deutschen Musikers herrschte Schweigen, in den Pausen stimmten die Demonstranten zwar ihre Parolen an, wurden allerdings von der Musik schnell wieder zum Schweigen gebracht. Die Stimmung habe sich beruhigt, die Polizisten hätten sich langsam zurückgezogen.

Den Flügel mit an Bord

Davide Martellos Auftritt hat vermutlich eine dritte Nacht der Gewalt in Istanbul verhindert, meinen jene, die vor Ort waren – genau das war auch die Intention des deutschen Pianisten. Er war mit einem Trailer aus Konstanz angereist, um auf dem Taksim-Platz ein Konzert zu geben. Seinen Flügel hatte er dafür extra im Gepäck.

Video des Auftritts

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