Syrien: Mehr als 100 Tote bei Massaker
Syrische Menschenrechtler berichten von einem Blutbad unfassbaren Ausmaßes und schweren Kämpfen. Die UNO zieht derweil eine düstere Bilanz ihrer Beobachtermission.
Die Stadt Al-Hula liegt nur wenige Kilometer von der Rebellenhochburg Homs entfernt. In Homs sind Beobachter der UNO Stationiert – in Al-Hula waren sie am Freitag nicht. Und sie kamen auch nicht, als die ersten Berichte über schwere Kämpfe aus Al-Hula drangen. Erst am Samstag kamen sie in die Stadt.
Da war alles bereits vorbei. Und die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London zog Bilanz über das, was am Freitag geschehen war in Al-Hula – nicht, ohne schwere Kritik an der UN-Beobachtermission zu üben. Über 100 Tote soll es in der kleinen Stadt gegeben haben – ausschließlich Zivilisten und die hälfte davon Kinder. Zuerst sei die Stadt mit schwerer Artillerie beschossen worden. Danach seien im Feuerschutz Regierungstreue Milizen von Haus zu Haus gezogen und hätten ganze Familien abgeschlachtet. Am Samstag war von einer Massenflucht Überlebender ins Landesinnere die Rede.
Der UNO warf der Chef der Londoner Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahmen, Untätigkeit vor. Die Angriffe der Armee auf Al-Hula hätten seit Freitag-Mittag angehalten, ohne, dass die Beobachter reagiert hätten. Der syrische Nationalrat, das politische Sprachrohr der Opposition, forderte angesichts des Massakers die Einberufung einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates, um die Verantwortlichkeiten der UNO festzulegen.
Waffenruhe existiert nur auf dem Papier
275 unbewaffnete UNO-Beobachter sind in Syrien im Einsatz, um eine Waffenruhe zu Überwachen, die bisher nur auf dem Papier existiert. In einem neuen Bericht von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ist zumindest davon die Rede, dass die Beobachter-Mission einen "beruhigenden Effekt" habe.
Alles in allem jedoch zeichnet der Bericht ein äußerst düsteres Bild. Die Bemühungen der UNO hätten nur "kleine Fortschritte" gebracht. Und die Anhaltende Krise sei von "Gewalt, sich verschlechternden humanitären Bedingungen, Menschenrechtsverletzungen und anhaltenden politischen Konfrontationen" geprägt. Sowohl Armee als auch Rebellen würden ihre Einsätze verschärfen. Und während die Armee weiterhin schwere Waffen einsetze, würden die Rebellen bereits erhebliche Teile einer ganzen Reihe an syrischen Städten kontrollieren.
Eine neue Vermittlungsoffensive der UNO steht jedenfalls unmittelbar bevor. Allem Anschein nach will Sondervermittler Kofi Annan kommende Woche zu Gesprächen mit dem Regime von Bashar al-Assad nach Syrien reisen. Auch mit Vertretern der Opposition und mit Anrainerstaaten will er über die Lage beraten. Es sei an der Zeit, so UNO-Sprecher Martin Nesirky, dass sich der Sondervermittler persönlich in die Gespräche mit Regierung und Opposition einschalte.
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