Syrien-Konflikt greift auf Libanon über
Das Außenministerium spricht eine Reisewarnung für bestimmte Regionen des Zedernstaates aus. Bewaffnete Gruppen drohen mit Kidnapping.
Krieg und Chaos in Syrien schwappen immer gefährlicher auf seinen kleinen Nachbarn Libanon hinüber. Auch das österreichische Außenministerium rät nun dringend von Reisen in bestimmte Regionen des Zedernstaates ab: Der Nordlibanon (Großraum Tripoli), die Bekaa-Ebene (inkl. Baalbek), die Nähe palästinensischer Flüchtlingslager, der Südlibanon sowie das Grenzgebiet zu Syrien sollten unbedingt gemieden werden, heißt es auf der Website des Außenamtes.
Grund für die Warnung ist die extrem gestiegene Entführungsgefahr. Bewaffnete schiitische Gruppen im Libanon drohen offen mit Kidnapping – und zwar besonders von Bürgern jener Länder, die Syriens Rebellen unterstützen. Dazu zählen vor allem Saudi-Arabien und Katar. Hunderte Saudis haben seit gestern in eilig bereit gestellten Sondermaschinen den Libanon verlassen, viele haben in Panik bereits die Nacht auf dem Flughafen von Beirut verbracht.
Ihre Furcht scheint berechtigt: Eine extremistische Schiitengruppe im Libanon brüstet sich, in den vergangenen Tagen einen Türken und weitere 50 Syrer in Beirut entführt zu haben, um ein Clan-Mitglied freizupressen, das ihrerseits von syrischen Rebellen entführt worden war.
Aleppo: Granaten auf Zivilisten
Aus Syrien dringen indessen immer gräulichere Verbrechen nach draußen: In der umkämpften Stadt Aleppo starben gestern Früh zwei Dutzend Menschen, während sie in einer Schlange um Brot anstanden. Granaten der Regierungstruppen gingen auf die Wartenden nieder. Die Rebellen wiederum wollen gestern nach eigenen Angaben bei den Kämpfen um Aleppo mindestens 35 Regierungssoldaten getötet haben.
Zeichen des Einlenken gibt es vonseiten der syrischen Führung in Damaskus nach wie vor nicht. Auch die jüngste Abstraktion der islamischen Länder gegen Syrien nahm man in Damaskus ungerührt zur Kenntnis. Mit großer Mehrheit hatten die islamischen Länder beschlossen, die Mitgliedschaft Syriens in der Organisation der Islamischen Kooperation (OIC) auszusetzen. Der mit Syrien eng verbündete Iran, aber auch Algerien, hatten sich strikt gegen dieses Maßnahme ausgesprochen. Die Gewalt in Syrien, so fordert es das OIC, müsse "unverzüglich" aufhören.
UN-Beobachtermission wird nicht verlängert
Unterdessen wurde bekannt, dass der UN-Beobachtereinsatz in Syrien nicht fortgesetzt wird. "Die Mission endet am Sonntag um Mitternacht", erklärte der stellvertretende Generalsekretär für UN-Friedensmissionen, Edmond Mulet. Der letzte UN-Militärbeobachter soll Syrien demnach am 24. August verlassen. Die Voraussetzungen für eine Verlängerung hätten nicht mehr bestanden. Allerdings solle ein politisches Verbindungsbüro der UNO mit bis zu 30 Mitarbeitern in Damaskus bestehen bleiben.