Slowenien-Wahl geht in zweite Runde
Herausforderer Pahor gewann überraschend den ersten Durchgang - die Stichwahl dürfte eng werden.
Die slowenische Präsidentenwahl geht in die zweite Runde mit einem überraschenden Ergebnis. Der sozialdemokratische Ex-Premier Borut Pahor gewann am Sonntag die erste Wahlrunde. Der favorisierte Amtsinhaber Danilo Türk schaffte es nur auf den zweiten Platz. Zwischen den beiden Linkspolitikern wird am 2. Dezember eine Stichwahl stattfinden.
Nach Auszählung fast aller Stimmen kam der Herausforderer Pahor auf 40,01 Prozent der Stimmen. Türk erreichte 35,83 Prozent, wie die staatliche Wahlkommission mitteilte. Die Endergebnisse der ersten Wahlrunde sollen erst nächste Woche feststehen, nachdem auch die Wahlkarten aus dem Ausland eintreffen werden.
Doch das Resultat dürfte sich dadurch nicht mehr wesentlich verändern. Damit rechnet auch die Wahlkommission, die bereits diese Woche die zweite Wahlrunde auch offiziell ausschreiben will.
Falsche Prognosen
Die Wahlprognosen haben das Wahlresultat verfehlt. Türk, der in den Umfragen kontinuierlich mit deutlichem Vorsprung vor seinem Herausforderer lag, wurden unmittelbar von dem Urnengang 44 Prozent prophezeit, Pahor sollte 33 Prozent bekommen.
Nur bei dem dritten Kandidat, dem rechtsgerichteten Europaabgeordneten Milan Zver lagen die Meinungsforscher richtig. Zver bekam am Sonntag 24,16 Prozent der Stimmen und ist erwartungsgemäß aus dem Rennen ausgeschieden. Die Umfragen sagten ihm 23 Prozent voraus.
Der Favorit und seine Unterstützer machten am Wahlabend lange Gesichter. Der amtierende Präsident räumte ein, "ein wenig enttäuscht" über sein Abschneiden zu sein. Für die kommenden drei Wochen kündigte Türk einen härteren Kampf an, in dem er auf die "konzeptuellen Unterschiede" zwischen ihm und Pahor deutlich machen wolle.
Auch Pahor schien trotz seiner festen Überzeugung, dass er der nächste Präsident sein werde, von dem Resultat überrascht. "Die Unterstützung hat meine Erwartungen übertroffen", sagte er nach dem Wahlschluss und gab das Versprechen, als kommender Präsident die Erwartungen der Wähler zu übertreffen.
Niedrige Wahlbeteiligung
Für die Schlappe des Wahlfavorits Türk wird die niedrige Wahlbeteiligung mitverantwortlich gemacht. Nur 47,7 Prozent der Wahlberechtigten, also rund 816.000 Slowenen sind zu den Urnen gegangen, was ein absoluter Tiefstand bei den Präsidentenwahlen in Slowenien ist.
"Ein Teil von Türks Wählern ist zu Hause geblieben, weil sie damit gerechnet haben, dass die Wahl sowieso erst die zweite Runde entscheidend wird", sagte der Politologe Samo Uhan. Dass sich die Favoritenrolle für den Amtsinhaber nicht vorteilhaft erwiesen dürfte, haben Politikexperten schon vor dem Urnengang gewarnt. Das Resultat bestätigt, dass Türks sicher geglaubter Sieg in der ersten Runde dazu führte, dass viele Wähler gar nicht erst wählen gegangen sind.
Die Wähler, die am Sonntag zu Hause geblieben sind, dürften eine wichtige Rolle bei der Stichwahl haben, meinen die Meinungsforscher. Die Hälfte von 1,7 Millionen Wahlberechtigten hat ihre Stimme nicht abgegeben. "Die Beteiligung lag unter der pessimistischen Erwartungen", sagte Andraz Zorko vom Institut Valicon.
"Jene Wähler, die zu Hause blieben, das sind 200.000 bis 250.000 Menschen, würden wahrscheinlich mehrheitlich Türk wählen, einige auch Zver", betonte Zorko. Der Politikexperte Matevz Tomsic meint hingegen, dass eine höhere Wahlbeteiligung in der Stichwahl nicht unbedingt die Machtverhältnisse ändern werde.
Klar ist aber, dass Pahor bereits die Stimmen der rechtsgerichteten Wähler bekommen hat. Das bestätigten auch die Analysen des Meinungsforschungsinstitut Mediana, dass am Sonntag die Wählerbefragung durchführte. Ein Teil von Rechtswählern hat laut Tomsic taktisch abgestimmt.
Sie wählten nicht denjenigen Kandidaten, der ihnen nach politischer Ausrichtung näher ist, sondern denjenigen, der in der Stichwahl den aktuellen Präsidenten schlagen könne, so der Experte. Bei konservativen Wählern ist Türk ziemlich unpopulär.
Mit Prognosen für den Ausgang der Stichwahl sind die Analytiker zurückhaltend. Alles sei noch offen, heißt es. "Unsere Projektionen zeigen auf ein so enges Resultat, dass der Sieger unmöglich vorherzusagen ist", sagt die Mediana-Chefin Janja Bozic Marolt.
Meinungsforscher sehen allerdings den Sozialdemokraten Pahor in der Führung. Nicht nur wegen seinen starken öffentlichen Auftritten, sondern auch, weil er anders als Türk auf die Stimmen der rechtsgerichteten Wähler zugreifen kann.
In den kommenden drei Wochen wird ein dynamischerer Wahlkampf als bisher erwartet. Beiden Kandidaten werden dabei eine klarere Stellung zu einzelnen Themen beziehen müssen. Politikexperten rechnen damit, dass die künftigen Debatten zwischen den beiden Linkspolitikern mehr inhaltlich sein werden.