Schlag gegen die Camorra
Italiens Mafia-Jäger verzeichnen einen Teilerfolg. 35 mutmaßliche Mafia-Mitglieder wurden festgenommen.
35 Personen mit Verbindungen zum Camorra-Clan der Casalesi sind am Montag im Großraum Neapel, der Provinz Caserta und in anderen italienischen Regionen verhaftet worden. Ihnen wird vorgeworfen am Aufbau und am Betreiben einer kriminellen Organisation beteiligt gewesen zu sein, der Morde, Wucher, Erpressung sowie Drogen- und Waffenhandel vorgeworfen werden. Bei der Polizeiaktion waren mehr als 200 Beamte sowie Hubschrauber im Einsatz, so übereinstimmende Medienberichte am Montag.
Die Casalesi gelten als eine der einflussreichsten Familien der Camorra. Der Clan soll neben Morden und Erpressungen eine, wenn nicht gar die größte, wirtschaftliche Kraft innerhalb der Camorra-Clans darstellen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat der um die Kleinstadt Casal di Principe beheimatete Clan vor allem den Handel mit Zement und
Kokain unter seine Kontrolle gebracht. Die illegal erwirtschafteten Gelder wurden vor allem durch zwielichtige Immobiliengeschäfte "reingewaschen".
Der Ort der Ganoven
Traurige Berühmtheit erlangte Casal di Principe oder Casal 'e Prencepe wie die Einwohner selbst ihre Stadt nennen, durch die Ermordung des Pfarrers Giuseppe "
Don Peppino" Diana. Dieser wurde 1994 an seinem Namenstag in seiner Kirche von einem Camorra-Mordkommando hingerichtet. Der widerspenstige Kleriker hatte es zuvor gewagt, mit Flugblättern zum Widerstand gegen die Camorra aufzurufen.
Aktuell ist knapp die Hälfte der mehr als 20.000 Einwohner wegen eines Verstoßes gegen Paragraf 416/2: "Bildung einer mafiösen Vereinigung" mit einer Vorstrafe belegt. Ein einmaliger Wert, selbst für Italien.
Die Geschichte des "berühmtesten" Einwohners der Stadt, Francesco Schiavone, wurde von Nanni Ballestrini sogar in einem Buch festgehalten. "Sandokan" so der Spitzname des - wie könnte es anders sein - Mafiabosses verbüßt seit 2008 eine lebenslange Haftstrafe.