"Sandy": Republikaner als Obama-Fans
Das Krisenmanagement des Präsident beschert ihm ungewöhnliche Fans: Den republikanischen Gouverneur von New Jersey etwa.
Ich habe Vertrauen in die Unterstützung des Präsidenten und die staatlichen Behörden." Wenn ein Demokrat so einen Satz twittert, geht er in den allgemeinen Sandy-Wirren sicherlich unter – wenn ein republikanischer Gouverneur dies kurz vor der Entscheidung ums Weiße Haus tut, ist das durchaus ungewöhnlich.
Chris Christie, Gouverneur von New Jersey – also jenem von Sandy schwerst getroffenen Bundesstaat an der Ostküste – versieht den Präsident mit Attributen wie "hervorragend", "wunderbar" und "sehr hilfreich". Und auf die Frage, ob der eigentliche Parteikollege Christies, Mitt Romney, ebenso wie Obama vorbeikommen würde, sagt er lapidar: "Keine Ahnung."
Waffenstillstand
"Sandy" hat den Wahlkampf nur kurz unterbrochen - und sorgt jetzt für ungewöhnliche Allianzen. Am Mittwoch will Obama gemeinsam mit Christie die betroffenen Gebiete in New Jersey bereisen und die Schäden begutachten. Zuvor hat er alle Wahlkampf-Termine abgesagt, den ganzen Wahlkampf aufs Abstellgleis gestellt. Ganz im Gegensatz zu Romney: Der hat seine Auftritte kurzerhand in "Storm Relief Events" umbenannt. Und er hat – im Gegensatz zu Obama – angekündigt, den "Sandy"-bedingten Waffenstillstand zu beenden.
Romney plant laut seinem Wahlkampfbüro Auftritte in Tampa und Jacksonville. Er tritt gemeinsam mit dem bei Latinos besonders beliebten Senator Marco Rubio auf; Florida gilt als einer der wichtigsten Swing-States, in denen das Ergebnis noch völlig offen ist. Umfragen zufolge liegen Obama und Romney dort gleichauf.
"Ich kümmere mich einen Dreck um den Wahlkampf"
Dies könnte sich durch die ungewöhnliche Allianz und den offensichtlich nicht zu Ende durchdachten Plan Romneys durchaus noch drehen. Christies Worte werden vor allem den Flutopfern gut gefallen: "Ich will dem Präsidenten persönlich für all seine Hilfe danken", sagte er. Auf Fragen, ob solche Worte nicht den Wahlkampf beeinflussen könnten, meinte er am Dienstag: "Ich kümmere mich einen Deck um den Wahlkampf."
Obama setzt ganz offensichtlich darauf, sich als besorgter Landesvater, zugleich aber auch als zupackender Krisenmanager zu präsentieren. Am Dienstagabend sprach er mit Chefs von Energieunternehmen, um Druck zu machen, dass Millionen von Amerikanern bald wieder Strom haben. Die Wiederherstellung der Stromversorgung habe oberste Priorität, betonte Obama nach Angaben des Weißen Hauses - es dürfe keine bürokratischen Hindernisse bei der Arbeit geben, habe Obama betont. Man wird sehen, ob die Taktik aufgeht: George W. Bushs Versagen im Umgang mit dem "Katrina"-Desaster dürfte ihm Lehrbeispiel genug sein.