Österreich schöpft fleißig aus EU-Fördertopf
Knapp eine Mrd. Euro fließt an Unis, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. "Horizon 2020" in Startlöchern.
Der Zorn über das Aus des Wissenschaftsressorts war in den vergangenen Tagen groß, der KURIER berichtete mehrmals. Doch während die Eingliederung ins Wirtschaftsministerium Volk, Studenten und Experten gleichermaßen empörte, schielen die Forscher in Sachen Gelder längst nach Brüssel - mit Erfolg, wie Zahlen belegen.
Österreich hat im zu Ende gehenden, mit 54 Mrd. Euro dotierten 7. Forschungsrahmenprogramm (2007-2013) der EU ordentlich zugelangt. Mit 3180 Beteiligungen konnten in Österreich tätige Forscher und Unternehmen bisher 949 Mio. Euro aus dem Programm einwerben. Das sind rund 125 Prozent der von Österreich eingezahlten rückholbaren Mittel.
Das Projekt "Proviso", das die österreichische Beteiligung an den Rahmenprogrammen analysiert, weist aktuell eine vertraglich fixierte Summe von 949,1 Mio. Euro aus, die aus den Töpfen des Programms an österreichische Partnerorganisationen flossen oder noch fließen werden. Die Rückflussquote von 125 Prozent liegt damit über den 117 Prozent im 6. und 104 Prozent im 5. Rahmenprogramm.
Top Ten
Mit 3180 bewilligten Beteiligungen belegt Österreich die zehnte Stelle unter den 27 EU-Mitgliedsländern. Die mit Abstand erfolgreichsten Nationen in dieser Statistik - mit jeweils über 16.000 Beteiligungen - sind Deutschland und Großbritannien. Umgelegt auf die Zahl der Forscher kommt Österreich auf 85,7 Beteiligungen pro 1000 Wissenschafter und landet damit auf Platz acht.
Mit 504,4 Mio. Euro geht der Großteil der Mittel an Institutionen in Wien, 174,0 Mio. gehen in die Steiermark, 80 Mio. nach Tirol und 70,2 Mio. nach Niederösterreich. Die meisten Beteiligungen konnten die heimischen Universitäten an Land ziehen (38 Prozent), gefolgt von den außeruniversitären Forschungseinrichtungen (23 Prozent). Große Industriebetriebe kommen auf sieben Prozent der Beteiligungen, kleine und mittlere Unternehmen auf 19 Prozent.
TU Wien
Beim Europäische Forschungsrat (ERC), der im 7. Rahmenprogramms erstmals Grundlagenforschung förderte, wurden bisher 102 bzw. 2,5 Prozent der insgesamt über alle Kategorien hinweg vergebenen 4032 hochdotierten Förderpreise vergeben. Damit liegt Österreich im EU-27-Vergleich an der elften Stelle, gemessen an der Zahl der Wissenschafter im Land mit 2,7 Grants pro Tausend Forscher auf dem fünften Rang.
"Horizon 2020"
Unter dem Titel "Horizon 2020" startet mit Jahresbeginn das neue EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. Der mit 80 Mrd. Euro prall gefüllte Fördertopf für die Jahre 2014 bis 2020 soll die globale Wettbewerbsfähigkeit der EU durch mehr und bessere Forschung und Innovation stärken. In einer ersten Ausschreibung stehen bis 2015 bereits 15 Mrd. Euro zur Verteilung bereit.
Damit sollen Förderungen entlang der gesamten Innovationskette - von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung von Produkten - ermöglicht werden.
Das Programm steht auf drei Säulen: Dabei stehen dem Bereich "Gesellschaftliche Herausforderungen" (29,7 Mrd. Euro) die meisten Mittel zur Verfügung, für "Exzellente Wissenschaft" gibt es 24,4 Mrd. Euro, für die Säule "Führende Rolle der Industrie" 17 Mrd. Euro. Zudem werden Fördermittel für sogenannte Querschnittsmaterien angeboten: zur Steigerung der Teilnahme von bisher weniger beteiligten Mitgliedsstaaten (816 Mio. Euro), zur Kommunikation von Wissenschaft in der Gesellschaft (462 Mio. Euro) und für das EIT (2,7 Mrd. Euro). Auch das Programm "Euratom" ist wieder integriert (2,4 Mrd. Euro bis 2018).
Vereinfacht
Seitens der EU unterstreicht man die Verwaltungsvereinfachungen bei dem neuen Forschungsprogramm. So gibt es u.a. ein einheitliches Regelwerk für alle Fördermaßnahmen und eine einheitliche Förderrate für alle Teilnehmer. Mussten Antragsteller bisher noch bis zu einem Jahr auf ihren Fördervertrag warten, sollen es nun maximal acht Monate sein.
Österreich hat bisher massiv von den EU-Forschungsprogrammen der EU profitiert. Aus den Fördertöpfen des 7. Rahmenprogramms sind bisher 949 Mio. Euro an österreichische Forscher und Unternehmen gegangen, das sind rund 125 Prozent der von Österreich eingezahlten rückholbaren Mittel.
Dennoch hat Österreich "Horizon 2020" auf EU-Ebene nicht zugestimmt: Ex-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) hat - wie Österreich schon in den vorangegangenen EU-Forschungsprogrammen - gemeinsam mit einigen anderen Staaten einen juristischen Vorbehalt bezüglich der Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen eingelegt und sich in der Abstimmung über das Gesamtprogramm der Stimme enthalten.