Korruptionsskandal erschüttert Regierung Erdogan
Gegen die zwei Söhne von Innenminister Güler wurden Strafverfahren eingeleitet.
Die Korruptionsaffäre im direkten politischen Umfeld des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan zieht weitere Kreise. Medienberichten zufolge wurden nun Strafverfahren gegen die Söhne von Innenminister Muammer Güler und Wirtschaftsministers Zafer Caglayan eingeleitet. Ermittlungsrichter in Istanbul ordneten am frühen Samstagmorgen Untersuchungshaft für die Beschuldigten an, wie die Fernsehsender NTV und CNN-Türk berichteten.
Die Ministersöhne waren am Dienstag zusammen mit dem Sohn von Umweltminister Erdogan Bayraktar festgenommen worden. Dieser wurde jedoch nach mehrstündigen Befragungen durch Staatsanwälte und Richter wieder freigelassen, wie die Sender berichteten.
Weitere Verdächtige
Auch gegen den Chef der staatlichen Bank Halkbank, Süleyman Aslan, und einen Bauunternehmer wurden den Berichten zufolge Strafverfahren eingeleitet. Den Verdächtigen werden unter anderem Bestechung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen.
Erdogans Gegner in der Affäre ist nach Meinung vieler Beobachter die mächtige Bewegung des in den USA lebenden islamistischen Predigers Fetullah Gülen. Hintergrund sind Spannungen zwischen Erdogans islamisch-konservativer Regierung und der Gülen-Bewegung. In der Justiz und im Polizeiapparat gilt die Gülen-Bewegung als besonders einflussreich.
Erdogan droht ausländischen Botschaftern
Erdogan reagierte auf die jüngsten Entwicklungen in der Affäre mit einem Ablenkungsmanöver. "Einige Botschafter sind in Provokationen verwickelt. Wir sind nicht gehalten, Sie in unserem Land zu lassen", sagte der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in der Stadt Samsun am Schwarzen Meer an die Adresse nicht näher genannten Diplomaten.
Beobachter vermuten, die Drohung richte sich insbesondere gegen US-Botschafter Francis Ricciardone. Der hatte laut türkischen Medien gegenüber EU-Vertretern erklärt, Washington dränge die staatliche türkische Bank Halkbank, ihre Geschäfte mit dem Iran zu stoppen. Ricciardone bezeichnete die Berichte am Samstag als "unbegründete Behauptungen". Niemand dürfe mit haltlosen Unterstellungen die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei schädigen, erklärte er auf Twitter.