Politik/Ausland

In Israel wächst die Angst vor Assads Arsenal

Wenn Israel nicht kommentiert, kann man davon ausgehen, dass etwas im Busch ist. Was diesmal so konsequent weder bestätigt noch dementiert wird, sind Angriffe der israelischen Luftwaffe auf ein oder auch zwei Ziele innerhalb Syriens. Ein syrischer Diplomat drohte Israel, es gebe „die Option mit einem Überraschungsangriff zurückzuschlagen“. Kettenrasseln auch in Teheran: Der Luftangriff werde „bedeutsame Folgen für die israelische Stadt Tel Aviv“ haben, sagte ein Vizeminister. In Israels Bevölkerung wächst die Angst vor einem neuen Krieg.

Die Führung in Damaskus spricht davon, dass ein militärisches Forschungszentrum in der Stadt Jarmiya nahe Damaskus Ziel des Luftschlags gewesen sei. Von zwei Toten und fünf Verletzten ist die Rede. Der Angriff habe sich in den Morgenstunden des Mittwoch ereignet. Die Einrichtung war seit Tagen zwischen regierungstreuen Kräften und Rebellen umkämpft gewesen – und (inoffiziellen Meldungen zufolge) ein Lagerort für chemische Waffen.

Die syrischen Rebellen berichteten zugleich von einem anderen Ziel, das die Israelis einige Stunden zuvor bombardiert hätten. Nämlich einen Konvoi, beladen mit Raketen für die mit dem Regime verbündeten Hisbollah, auf dem Weg in den Libanon. Davon gingen auch US-Behörden aus, die diesen Luftschlag bestätigten. Die Fahrzeuge seien mit hoch modernen Luftabwehrraketen beladen gewesen, die es der israelischen Luftwaffe unmöglich gemacht hätten, jederzeit auf den Süden des Libanon zuzugreifen. Die libanesische Armee bestätigte, dass 16 israelische Kampfjets den Luftraum verletzt hätten.

Versorgungsader

Die militärische Macht der Hisbollah, die vom Iran massiv unterstützt wird, hängt zu einem guten Teil an der Versorgungsader Syrien. Ein Fall des syrischen Regimes wäre für die schiitische Miliz ein schwerer Schlag. Laut Beobachtern in Syrien soll die Hisbollah daher auch um syrische Militärcamps eigene Lager errichtet haben und mit allen Mitteln versuchen, militärisches Gerät aus syrischen Beständen zu ergattern. Etwa Scud-B-Raketen russischer Bauart, die im inner-syrischen Konflikt geringe Bedeutung haben, sich mit Chemiewaffen bestücken lassen und für die Hisbollah eine mächtige Waffe wären.

Für Israel kämen Chemiewaffen plus geeignete Trägersysteme mit großer Reichweite in der Hand der schiitischen Miliz jenseits seiner Nordgrenze einem Albtraum gleich. Bereits in der Vorwoche hatte Israels Armee zwei Batterien des im Gaza-Konflikt bewährten Raketenabwehrsystems „Eiserne Kuppel“ in den Norden verlegt. Israel drohte, dass man Maßnahmen ergreifen werde, sollten chemische Waffen entweder in die Hand sunnitischer Rebellen, der El Kaida oder der Hisbollah gelangen.

Angst verbreitet die fragliche Zukunft von Syriens Chemiewaffenarsenal aber nicht nur in Israel. In Jordanien trainieren US-Spezialeinheiten seit Monaten zusammen mit jordanischen Sonderkommandos für den Ernstfall.