Hunderte Verletzte nach Protest
Mangelnde Reformen sorgten für Aufstände – es gab wieder Demos gegen Armut.
Reifen brannten die vergangenen Tage – auch in Siliana in Zentral-Tunesien, Steine und Gummigeschoße flogen durch die Luft. Hunderte Menschen gingen auf die Straße, um gegen soziale und wirtschaftliche Missstände zu demonstrieren.
Erst am Mittwoch hatte die Weltbank Tunesien einen Kredit von knapp 400 Mio. Euro gewährt – zur Unterstützung der Wirtschaftsreformen. Doch diese sind in der Binnenprovinz Siliana lange nicht angekommen. Die ökonomisch schwache Provinz Siliana braucht Jobs und Investitionen. Das fordern dort die Demonstranten seit Tagen ein. Gleichzeitig wollen sie den Rücktritt des Gouverneurs Ahmed Ezzine.
Bis Donnerstagmittag wurden mehr als 200 Verletzte gemeldet, darunter 16 Sicherheitskräfte. Zwei Dutzend mussten vom lokalen Krankenhaus nach Tunis gebracht werden, weil die Betten knapp wurden.
Verletzte – darunter auch Journalisten von France 24 – berichteten, dass die Polizei neben Gummigeschoßen auch kleine Schrotkugeln eingesetzt habe, wie sie für die Vogeljagd verwendet würden. In einem Fernseh-Interview rechtfertigte der tunesische Innenminister Ali Laarayedhden den Einsatz der Flinten: Von den kleinen Kugeln getroffen zu werden, tue „nicht besonders weh“.
Premier Hamadi Jebali, der sich bemüht, sich selbst als zentrale Figur zwischen Liberalen und Salafisten darzustellen, beschuldigt beide Lager, durch gewaltsame Proteste die Wirtschaft Tunesiens zu schädigen.