Ehud Barak beendet politische Karriere
Barak wird bei den Parlamentswahlen am 22. Jänner 2013 nicht mehr kandidieren.
Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak beendet seine politische Karriere. Wie er am Montag in Tel Aviv mitteilte, wird er bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 22. Jänner 2013 nicht mehr antreten. Er werde nach der Neuwahl des Parlaments im Jänner aus der Politik ausscheiden. "Ich habe entschieden, mich aus dem politischen Leben zurückzuziehen und nicht an der kommenden Wahl zur Knesset teilzunehmen", sagte Barak. "Ich will meiner Familie mehr Zeit widmen", so der geschiedene Vater von drei Töchtern und mehrfache Großvater.
In Israel soll am 22. Jänner ein neues Parlament gewählt werden. Die Knesset hatte sich Mitte Oktober selbst aufgelöst und damit den Weg für die vorgezogenen Neuwahlen freigemacht. Nach einwöchigen Kämpfen mit radikalen Palästinensern im Gazastreifen herrscht erst seit wenigen Tagen eine Waffenruhe mit Israel. In den Auseinandersetzungen waren 166 Palästinenser und sechs Israelis getötet worden.
Richtungsstreit
Barak war über Jahrzehnte einer der bestimmenden Politiker des Landes. Er war unter anderem Innen- und Außenminister, Vorsitzender der Arbeitspartei sowie Ministerpräsident. Seit dem Jahr 2007 ist Barak israelischer Verteidigungsminister, sowohl unter dem derzeitigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu als auch unter dessen Vorgänger Ehud Olmert. Barak hatte die Arbeitspartei im Jänner vergangenen Jahres nach einem heftigen Richtungsstreit verlassen. Gemeinsam mit vier anderen Abgeordneten gründete er danach die Partei Atzmaut (Unabhängigkeit). Nach dem jüngsten Gaza-Konflikt war seine Popularität laut Umfragen gestiegen.
Geiselbefreier
Der am 12. Februar 1942 geborene Barak trat als 17-Jähriger in die Streitkräfte ein. Mehrfach leitete er geheime Kommandounternehmen. Im Mai 1972 führte er eine Eliteeinheit, die ein nach Tel Aviv entführtes Sabena-Flugzeug stürmte. Als Frau verkleidet war er in Beirut an der Aufspürung und Tötung von Palästinensern beteiligt, die in den Anschlag auf israelische Sportler bei den Olympischen Spielen 1972 in München verwickelt waren. 1976 leitete er von Nairobi aus die legendäre Geiselbefreiung von Entebbe.
Auch im Sechs-Tage-Krieg von 1967 und im Yom-Kippur-Krieg von 1973 zeichnete sich Barak aus und wurde der höchst dekorierte Offizier des Landes. 1991 rückte er an die Spitze des Generalstabs, vier Jahre später ging er in die Politik. Barak diente als Innen- und Außenminister und wurde 1996 zum Vorsitzenden der Arbeitspartei gewählt. 1999 siegte er gegen den Likud-Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, doch hielt er sich nicht einmal zwei Jahre an der Regierungsspitze. Er geriet vor allem in die Kritik, weil er im Sommer 2000 die israelischen Truppen einseitig aus dem Libanon abzog und Palästinensern und Syrern Zugeständnisse anbot, ohne letztlich Friedensabkommen zu erzielen.