Athen: Weniger Migranten setzen aus der Türkei über
Derzeit rund 50.000 Flüchtlinge in Griechenland. Zahl ging auch in Deutschland zurück.
Der Zustrom von Migranten und Flüchtlingen aus der Türkei nach Griechenland nimmt weiter deutlich ab. Binnen 24 Stunden hätten nur 78 Menschen von der türkischen Küste aus zu den griechischen Ostägäis-Inseln übergesetzt, teilte der griechische Flüchtlingskrisenstab am Samstag mit. In den 24 Stunden davor seien 161 Menschen angekommen.
Der Krisenstab schätzte die Gesamtzahl der Migranten in Griechenland auf inzwischen gut 50.200 - davon etwa 11.600 im Elendslager Idomeni an der Grenze zu Mazedonien. Nach dem EU-Türkei-Flüchtlingspakt soll vom 4. April an die Rückführung von Migranten in die Türkei beginnen. Die Übereinkunft sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die nach dem 20. März illegal von der Türkei nach Griechenland übergesetzt sind, dann zwangsweise zurückgebracht werden können. Vorher haben die Migranten jedoch das Recht auf eine Einzelfallprüfung in Griechenland.
In Idomeni haben am Samstag Unbekannte Gerüchte unter Flüchtlingen verbreitet, Deutschland werde Tausende Schutzsuchende aus dem Lager aufnehmen. Deshalb solle der mazedonische Grenzzaun am Sonntag geöffnet werden, hieß es. Daraufhin sah sich Sokratis Famelos, ein Abgeordneter der regierenden Linkspartei Syriza, zu einer Klarstellung genötigt: "Es wird keine Öffnung des Zauns geben. Einzige Lösung ist, in die gut organisierten Lager im Landesinneren zu gehen", sagte Famelos im griechischen Fernsehen. Das führte zu einiger Unruhe im Lager.
Rechte Demos
Im Raum der nordgriechischen Stadt Veria demonstrierte indes am Freitag eine Gruppe von etwa hundert Rechtsextremisten mit abgehackten Schweineköpfen. Sie protestierten vor einer ehemaligen Kaserne gegen die Unterbringung von Flüchtlingen, als ein mit rund 50 Migranten besetzter Bus ankam, wie griechische Medien am Samstag berichteten. Die Polizei griff ein und der Bus konnte ohne weitere Probleme auf das Gelände fahren. Die Demonstranten sagten, sie hätten Angst, unter den Migranten könnten auch muslimische Extremisten sein. Die Schweineköpfe warfen sie vor dem Zugang zu dem Areal auf den Boden.
Hilfe durch Experten
Nach Informationen aus Regierungskreisen in Athen werden in den kommenden Tagen dringend benötigte Asylexperten, Übersetzer und Sicherheitsleute aus der EU erwartet. Bis Samstag waren jedoch erst sehr wenige der rund 2.300 versprochenen EU-Helfer in Griechenland eingetroffen.
Auf der Insel Lesbos, wo die meisten Migranten aus der Türkei ankommen, sind inzwischen 17 Asylexperten aus den Niederlanden angekommen, wie das staatliche Fernsehen ERT am Samstag berichtete. Allein auf Lesbos müssen nach Angaben des Krisenstabes mehr als 2.600 Fälle bearbeitet werden, auf der Insel Chios warten rund 1.300 Menschen.
"Die Zeit drängt. Wie will man bis zum 4. April Hunderte, wenn nicht Tausende Asylanträge bearbeiten", fragte ein Offizier der Küstenwache aus der Insel Chios am Samstag.