Arafat: Graböffnung auf der Suche nach der Wahrheit
Der Leichnam des ehemaligen Palästinenserpräsidenten ist am Dienstag exhumiert worden. Experten prüfen nun eine mögliche Polonium-Vergiftung.
In Ramallah im Westjordanland ist am Dienstagmorgen der Leichnam des verstorbenen Palästinenserpräsidenten Yassir Arafat exhumiert worden: Acht Jahre nach dem Tod Arafats soll geklärt werden, ob die Ikone der Palästinenserbewegung womöglich vergiftet wurde. Französische Untersuchungsrichter waren bei der Exhumierung ebenso anwesend wie Experten aus der Schweiz und Russland. Gewebeproben Arafats sollen nun in Laboren in den drei Ländern auf mögliche Giftrückstände untersucht werden.
Der schwer erkrankte Arafat war am 11. November 2004 im Alter von 75 Jahren in einem Militärkrankenhaus im Süden von Paris gestorben. Die genaue Todesursache wurde nie festgestellt. Die Palästinenser verdächtigen Israel seit Jahren, Arafat vergiftet zu haben, was Israel zurückweist.
Anfang Juli sorgte eine Reportage des arabischsprachigen Senders Al-Jazeera für Aufregung: Schweizer Experten gaben in dem Bericht an, sie hätten an persönlichen Gegenständen Arafats eine erhebliche Konzentration des radioaktiven und hochgiftigen Stoffs Polonium nachgewiesen. Polonium war 2006 verwendet worden, um den früheren russischen Spion Alexander Litwinenko in London zu ermorden.
Mordverdacht
Arafats Witwe Suha erstattete nach dem TV-Bericht in Frankreich Anzeige gegen unbekannt. Ende August leitete die französische Justiz Ermittlungen wegen Mordverdachts ein, am Sonntagabend trafen französische Untersuchungsrichter in Ramallah ein.
Die Exhumierung ist unter den Palästinensern umstritten. Suha Arafat spricht von einem "sehr schmerzlichen" Akt, der aber nötig sei, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Ein Neffe Arafats und Präsident der Yassir-Arafat-Stiftung, Nasser al-Qudwa, spricht dagegen von "Leichenschändung". In seinen Augen ist längst klar, dass sein Onkel ermordet wurde - weitere Beweise seien nicht nötig.
Die Entnahme von Gewebeproben wird nur einige Stunden in Anspruch nehmen. Nach der Exhumierung soll Arafats Leichnam erneut in einer feierlichen Zeremonie beigesetzt werden. Warum russische Experten an der Exhumierung teilnehmen, haben die Palästinenser nicht genau erklärt. Aus Russland stammt aber der größte Teil des weltweit produzierten Poloniums - in dem Land gibt es daher eine besondere Expertise.