Einer von Goldman muss den Euro retten
Mit Mario Draghi sitzt der Richtige an der Spitze der Europäischen Zentralbank.
Jetzt steht Draghi vor seiner Meisterprüfung und die ist in Athen abzulegen
Ausgerechnet Goldman Sachs. Bei der von vielen Systemkritikern geradezu verteufelten Investmentbank hat er sein Handwerk gelernt. Ausgerechnet ein Italiener, ausgerechnet einer von den Schuldensündern, hat es geheißen. Doch Mario Draghi, seit einem Jahr Präsident der Europäischen Zentralbank, hat die Kritiker von links und rechts verstummen lassen.
Während die Merkels und Schäubles dahin dilettieren, verfolgt Draghi eine erfolgversprechende Doppelstrategie: Nötigenfalls werde man unbegrenzt Anleihen von Ländern wie Spanien aufkaufen, um die Zinsen auf ein verkraftbares Maß zu drücken. Aber nur, wenn sich das Land dem strengen Regime des Euro-Rettungsschirms ESM unterwirft. Damit hat Draghi, auch wenn es bisher bei seiner Ankündigung geblieben ist, die Finanzmärkte zu beruhigen gewusst, aber die Politik nicht aus der Pflicht entlassen. Ein kluger Schachzug. Auch wenn er nicht reicht.
Die Lehrjahre der Krisenbewältigung müssen endgültig vorbei sein, jetzt steht auch Draghi vor seiner Meisterprüfung und die ist in Athen abzulegen. Die erforderliche Quadratur des Kreises lautet: Wie ist ein wirksamer Schuldenerlass für Griechenland durch seine öffentlichen Gläubiger zu organisieren, ohne in die Falle der verbotenen direkten Staatsfinanzierung durch die EZB zu geraten – obwohl ausgerechnet die Zentralbanker auf dem größten Berg griechischer Staatspapiere sitzen.
Ein denkbar schwieriges Unterfangen. Helfen kann bei den nötigen Schritten ein klares Ja zum Euro, zu Europa, zum Gemeinsamen. Wenig hilfreich sind Ideen, die Arbeitslosigkeit und Rezession erhöhen und verschärfen würden. Das Aufbrechen der Währungsunion wäre so ein Programm. Doch da gibt es noch Leute wie Draghi, die das hoffentlich zu verhindern wissen.