Meinung/Kommentare/Innenpolitik

"Makel des Alters" als Job-Barriere

Da läuft etwas gehörig schief in unserer Arbeitswelt.

Dr. Anita Staudacher
über den "Makel des Alters"

Eigentlich unglaublich. Top ausgebildete, hoch-motivierte und erfahrene Arbeitskräfte werden nicht mehr eingestellt, weil sie das falsche Geburtsdatum haben. "Da kannst du beim Bewerbungsgespräch noch so auf jugendlich tun, der Makel des Alters klebt an dir", klagt ein 50-jähriger IT-Fachmann, der seit Monaten einen Job sucht. Alt? Mit 50? Ein Jahrgang, der noch mindestens 15 Jahre im Erwerbsleben bleiben soll, ja muss, um den Sozialstaat zu retten.

Die Argumente der Betriebe für ihren zelebrierten "Jugendwahn" sind hinlänglich bekannt: Ältere sind zu teuer und kaum kündbar. Stimmt schon: Was die Verdienstkurve anbelangt, wird der Segen sozialer Errungenschaften früherer Zeiten mehr und mehr zum Fluch. Extreme Lohnspreizungen zwischen Jung und Alt von 200 bis 300 Prozent sind sachlich nicht (mehr) begründbar. Der Quasi-Kündigungschutz nützt den Beschäftigten wenig (sie werden trotzdem hinausgedrängt) und schadet den Arbeitsuchenden ganz massiv.

Trotzdem tut niemand etwas dagegen. Die Bemühungen der Sozialpartner in Sachen Seniorität und Kündigungsschutz sind kaum wahrnehmbar. Die Gewerkschaft versteift sich auf Prinzipien, die Wirtschaft nutzt Schlupflöcher und kassiert Eingliederungsbeihilfen. Dabei wären angesichts bedrohlich steigender Altersarbeitslosigkeit rasche, flexible Lösungen gefragt. Warum ist es nicht möglich, auf den Kündigungsschutz oder 6. Urlaubswoche freiwillig zu verzichten ? Oder mehr Gehalt mit mehr Freizeit abzugelten wie in der Elektroindustrie? Und wo sind intelligenten Teilpensions-Lösungen, die längeres Arbeiten fördern sollen?

So lange über 50-Jährige immer noch mit "Sozialplänen" abgebaut werden und zugleich der Weg zurück in den Arbeitsmarkt immer steiniger wird, läuft etwas gehörig schief in unserer Arbeitswelt.