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An einem Strang

In Kitzbühel aber herrscht unter allen Top-Athleten quer durch die Nationen Einigkeit.

Wolfgang Winheim
über Bode Miller und die "Streif"

Mit einer Ex kämpft Bode Miller um das Sorgerecht für die vierjährige Tochter Neesyn Dacey, eine andere Ex kündigt via Facebook für Februar die Geburt eines Miller-Sohnes an, die aktuelle Frau Miller lässt die Twitter-Gemeinde an der Trauer um ihr Ungeborenes teilhaben, das sie soeben verlor.

Der US-Skistar hat im Moment wahrlich andere Sorgen als Ski, obwohl er seit Sonntag in Kitzbühel ist.

Wegen permanenter Knieprobleme bestreitet Miller in diesem Winter keine Rennen, weshalb er sich als Athletensprecher vertreten lässt. In dieser Rolle sprang in Kitz Kanadas Weltmeister Erik Guay ein, womit er sich eine undankbare Aufgabe einhandelte.

Einen "Fahrer-Gewerkschafter" hatten die Alpin-Asse schon einmal vor mehr als 20 Jahren installiert. Der spätere Olympiasieger (und FP-Nationalrat) Patrick Ortlieb zeigte sich besonders initiativ. Dem ehemaligen Hahnenkammsieger Peter Wirnsberger wurden nach dessen Karriereende von den Rennläufern sogar die Reisespesen gezahlt, damit er sie am Tatort vertreten konnte.

Jedoch: Still und leise lief das Pilot-Projekt wieder aus, weil bei den Piloten letztlich doch Eigeninteressen dominierten und sie zu selten an einem Strang zogen. So, wie das die FIS-Bosse erhofft hatten. Und so, wie sie das bei der Wiedereinführung des Fahrer-Sprechers wieder erwarteten.

In Kitzbühel aber herrscht unter allen Top-Athleten quer durch die Nationen Einigkeit.

Klaus Kröll und Downhill-Kollegen wollten erst am Mittwoch trainieren, wollten den prophezeiten Kälteeinbruch abwarten. Um zu verhindern, dass die Rillen und Furchen, die 59 Mann gestern gegen ihren Willen in die Soft-Streif zeichneten, die Piste zur gelenkmordenden pickelharten Waschrumpel verwandeln. So wie das im Vorjahr bei der Olympia-Generalprobe in Sotschi der eisige Fall gewesen war.

Seither kommen Romed Baumann, Ivica Kostelic und Beat Feuz nicht mehr ohne Schmerzmittel aus.

Auch Bode Miller ist ein Sotschi-Opfer. Trotzdem will er genau dort bei Olympia 2014 wieder fahren.