Drei Überraschungen zwischen Wales und Serbien
Mit den Serben ist wieder zu rechnen.
Das 2:2 gegen Wales brachte einige Überraschungen mit sich.
Erstens: Ich finde es fast schon witzig (aber eben nur fast), wie nach dem Unentschieden herausgestrichen wird, dass gegen einen Halbfinalisten der EURO ein Punkt geholt wurde. Denn diese Partie zeigt: Österreich ist absolut auf Augenhöhe mit diesem Semifinalisten. Deswegen muss ich leider noch ein Mal auf die EM in Frankreich zurückkommen: Es wäre bei diesem Turnier so viel möglich gewesen! Mit mehr Zutrauen in die eigene Stärke hätten auch wir die Rolle von Wales einnehmen können.
Ein Beispiel dazu vom 2:2: Florian Klein hat tadellos gespielt. Trotzdem wäre für einen schnellen Spieler wie ihn noch mehr möglich gewesen, weil er aufgrund des Systems von Wales keinen direkten Gegenspieler hatte. So wie bei seinem Antritt samt Doppelpass in Hälfte eins, der fast zu einem Eigentor geführt hat, hätte ich mir Klein auf der rechten Seite öfter in der Offensive gewünscht.
Das führt zur zweiten Überraschung: Kevin Wimmer als Linksverteidiger. Ich habe den Tottenham-Legionär für Servus TV besucht und erfahren, dass er in Linz als Linksverteidiger ausgebildet worden war. Dass er diese Rolle ausfüllen kann, hat mich deshalb nicht überrascht. Die fehlende Vorbereitung auf den Abgang von Christian Fuchs im ÖFB aber schon.
Links liegen gelassen
Jahrelang galt Markus Suttner als Back-up. Die Nachfolge traut ihm Teamchef Marcel Koller aber offensichtlich doch nicht zu, die Probleme in Georgien unterstreichen das. Anders als rechts hinten würde es freilich genug (oft dort spielende) Linksverteidiger geben, die eine Chance verdient hätten.
Für mich war die Leistung von Wimmer offensiv zurückhaltend, insgesamt okay, aber unglücklich. Beim ersten Tor hat er nur halbherzig geklärt, zum Eigentor mache ich ihm aber keine Vorwürfe.
Die dritte und letzte Überraschung im ersten Schlüsselspiel der WM-Quali: Die heimstarken Waliser haben sich früh mit dem einen Punkt zufriedengegeben. Sie rechnen offenbar damit, mit Heimsiegen den Gruppensieg zu schaffen.
Umso überraschender ist es, dass unser Team nach spätestens 75 Minuten aufgehört hat, auf drei Punkte zu spielen. Der absolute Siegeswille hat im Finish gefehlt. Das kann sich noch bitter rächen. Bereits morgen in Belgrad. Denn mit den Serben ist wieder zu rechnen.
2015 holte die U 20 sensationell den Weltmeister-Titel. Derzeit wird ein Kader-Umbruch vollzogen. Wenn die wilden Jungen mit arrivierten Stützen wie Chelsea-Verteidiger Ivanovic eine gute Mischung bilden, ist auch die WM-Teilnahme möglich. Derzeit sehe ich Wales, Österreich und Irland noch um eine Spur mehr in der Favoritenrolle. Weil die Erfahrung nach der Teilnahme in Frankreich in den vielen zu erwartenden engen Partien entscheidend sein kann. Ich hoffe, auch am Sonntag.