Italien ist geil
Die Italiener haben mich begeistert, während die Spanier wie immer waren. Ihnen kam das gewisse Extra abhanden.
Italien ist ein richtig geiles Team mit Leidenschaft, wie der Schienbein-Treffer von Chiellini gezeigt hat
Die EURO verläuft für mich noch spannender als erwartet. In der Nacht auf Montag ist unser fünftes Kind auf die Welt gekommen. Jonathan Leopold ist mein bereits fünfter Sohn und dennoch der erste, der in unserer niederösterreichischen Heimat geboren wurde. Trotz meiner Großfamilie versuche ich, die meisten Spiele konzentriert zu verfolgen. Leichter fällt das, wenn wie am Montag mit mehr Risiko gespielt wird. Der Sonntag war hingegen ganz klar von Taktik und Abwarten geprägt.
Mein Leitspruch war immer: Wer nichts riskiert, wird auch nichts gewinnen. Deswegen freue ich mich, dass meist die aktiveren Teams Erfolg haben.
Auch Italien war von Anfang an aktiver und gefährlicher als Spanien. Okay, sie haben tief verteidigt. Aber immer so, dass möglichst schnell der Konter gesetzt werden kann. Mir gefällt diese Spielweise, sie sind höllisch gefährlich. Italien ist ein richtig geiles Team mit Leidenschaft, wie der Schienbein-Treffer von Chiellini gezeigt hat. Die alte Regel – die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive bringt Titel – könnte zutreffen.
Die Spanier waren hingegen beim 0:2 wie immer. Wenn ihre Spielidee aufgeht, sind sie nicht zu stoppen. Wenn der Ballbesitz nichts einbringt, ist kein Plan B parat. Wobei es auch mental extrem schwierig ist, eine Mannschaft mit Weltmeistern und doppelten Europameistern noch einmal bis über diesen berühmten Punkt zu pushen.
Wie viele Titel sollen sie denn noch gewinnen?
Der Wille ist der Weg
Ein harter Konkurrent werden den Italienern die Deutschen sein. Gegen das Team von Jogi Löw war bei den Slowaken die "Österreich-Sperre" zu sehen. Sie waren schon happy mit dem Achtelfinale, haben sich nichts mehr zugetraut – und die Deutschen zeigten souverän, dass sie zu den Favoriten zählen.
Der Blick auf die Möglichkeiten in der "schwächeren" Raster-Hälfte lässt mein Herz bluten. Die Spielerqualität ist bei Wales sicher nicht höher als bei uns. Aber ihre für Briten ungewöhnliche Fünferkette wirkt wesentlich besser eingeübt als bei Österreich gegen Island. Außerdem "hackeln" stets alle mit. Dieser Wille gewinnt in Entscheidungsspielen nochmals an Bedeutung. Denn die erhoffte Leichtigkeit ist bei der EM sowieso dahin. Wie es auch die vielen vergebenen Elfer beweisen.
paul.scharner@kurier.at