Und ewig rollt die Kugel
Sie sieht nix, er dafür umso besser. Das Thema lässt uns auch im Winter nicht los.
Ich halte Tee für einen groben Irrtum der trinkenden Menschheit.
Sie
Heureka, ich hab’s endlich. Ich weiß jetzt, warum ich mir mit Fußballschauen so schwertu’. Es ist gar nicht der Sport per se. Der ist sicher total toll. Aber so genau weiß ich es leider nicht. Es ist nämlich so: Meine Augen lassen ein genaueres Urteil nicht zu. Falsch. Es sind nicht meine Augen, sondern es sind meine weiblichen Augen. Laut den neuesten Erkenntnissen von Forschern an der City University of New York sehen Frauen anders als Männer. Er erkennt feine Details und bewegte Objekte besonders gut. Sie hingegen kann Farbnuancen besser unterscheiden. Aha. Deshalb sind mir die Farben der Dressen geläufiger und näher als das Rollen des Balles. Um ehrlich zu sein: Ich sehe den Ball meist gar nicht, außer er wird von der Kamera herangezoomt. Dann denke ich mir: Ahhhh, da ist ein Fußball, das ist der berühmte 23. Mann am Feld. Wirklich sehr, sehr interessant.
Formen und Farben
Und flugs beschäftigt sich mein Hirn mit Form und Farbe des Runds, um darüber nachzudenken, ob ein Gucci-Ball nicht fescher wäre. Aber meist nehme ich 22 bunte, scheinbar orientierungslose Manderln wahr, die wie Ameisen über den Rasen rasen. Manche stehen herum, andere fallen hin, oft einmal krachen zwei zusammen. Nur wenn ein Tor fällt, kann ich wahrnehmen, wie ein Punkterl ins Netz rollt. Dann freue ich mich. Bis mich der Mann nebenan aufmerksam macht, dass ich mich für die falsche Mannschaft freue, weil es das feindliche Tor war. Also beschränke ich mich halt auf das Betrachten der Farben – der Dressen, der Fans, der Wiese. Aber weil das nach zwei Minuten fad wird, stehe ich in der dritten Minute auf und sage patzig: Fußball ist blöd.
So ist das also mit mir und dem Fußball. Oder doch nicht? Kann sein, dass alles völlig anders ist. Und ich einfach nur auf Basis der Wissenschaft ein bisserl Weibi gespielt habe.
Er
Wie tief der Fußball-Stachel offensichtlich sitzt, lässt sich schon allein daran ermessen, dass sich meine Frau ausgerechnet jetzt bemüßigt fühlt, sich diesbezüglich wieder einmal zu erklären. An jenem Wochenende, an dem das österreichische Volk das traditionelle Kitzbüheler Hochamt zelebriert, und wir alle das Gefühl haben müssen, der Urknall hätte nur deshalb stattgefunden, damit es endlich einen Planeten gibt, auf dem irgendwann einmal Skirennen stattfinden können.
Aber statt sich im Hahnenkamm-Rausch zu verlieren, packt die Herzdame lieber eine Studie aus, die besagt, dass Frauen anders sehen als Männer (eine Polemik zu dieser Erkenntnis erspare ich mir jetzt). Und statt den Umstand zu genießen, dass sich die österreichische Liga im Winterschlaf befindet, und die deutsche auch, und die Champions League erst recht, legt sie lieber unter dem Deckmantel der Wissenschaft ein neues Dokument der kleinen Bosheiten an.
Deeskalation
Macht nix. Ich kann sie sogar ein wenig verstehen, wenn sie den Kopf schief legt und ihr über viele Jahre antrainiertes Mich-bitte-nicht-für-deppert-verkaufen-Gesicht einhängt. Denn die spanische Liga macht um diese Jahreszeit nämlich nicht Pause. Und die italienische auch nicht. Und die englische erst recht nicht. Daher kommt es schon vor, dass ich in meiner Funktion als Fußball-Irrer auf eheliche Deeskalation setze. Heißt: Wir schauen gemeinsam eine Serie („Homeland“ kann ich sehr empfehlen), und ich schaue parallel dazu allein Fußball. Mit dem Laptop am Schoß (ohne störende Fangesänge und Fachkommentatoren, die „Goooooooooooooooool!“ in unser Wohnzimmer brüllen. Sie findet das trotzdem sonderbar. Und ich finde: Sie hat sogar ausnahmsweise ein bisserl recht.
Twitter: @MHufnagl