Ränkespiele
Die Woche im Rückblick.
Wahlkampf ist auch Wuchtelzeit.
Wahlkampf ist auch Wuchtelzeit. Und da liegt in punkto Verhaltensauffälligkeit die ÖVP derzeit vorne. Diese Woche lieferte Maria Fekter das Amuse Gueule. Sie beeindruckte einmal mehr mit ihrer dem ministerlichen Amt entsprechenden Diplomatie und brachte das EU-Dilemma auf den Punkt: „Der Norden füttert den Süden durch.“
Ob solch appetitlicher Expertisen durfte sich auch der Chef nicht lumpen lassen. Anscheinend will Michael Spindelegger nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Sprachkunst entfesseln. So trat der Erfinder von „Gebührenbremse“ und „Kostensenkungspaket“ gleich doppelt in Kraft: Einmal anlässlich einer Schülerveranstaltung, als er seinen lässigen Umgang mit der UNO („Freunde, so geht’s nicht weiter“) offenbarte. Ein zweites Mal, als er sich im Rahmen der Diskussionen zum Lehrerdienstrecht meldete.
Krämpfe
Immerhin, Österreichs Vizekanzler ist noch in der Lage, in Anbetracht des Ränkespiels zwischen Politik und Gewerkschaft weder Lach- noch Weinkrampf zu bekommen. Stattdessen präsentierte er vor der 28. Verhandlungsrunde (!) zu Gehaltskurven, Anwesenheitsverpflichtungen und Unterstützungspersonal wieder einmal ein Modell. Und ärgerte sich über die Kritik daran. Man solle (nach über zehn Jahren des Theaters, wohlgemerkt) nicht „auf dem zarten Pflänzchen einer etwaigen Kompromisslösung herumtrampeln“.
Bei der SPÖ setzt man derweil ganz auf die große Geste. Also wurden die ersten 67 Golan-Soldaten, die von der Republik abgezogen, sprich gerettet, wurden, am Flughafen würdevoll empfangen. Kanzler und Minister erwiesen dabei „unseren Blauhelmen“ mit staatstragenden Mienen die Ehre und bedankten sich in Anwesenheit aller dafür notwendigen Medien.
Blöderweise empfinden die sogenannten „Golanis“ die Inszenierung der Heimholung durch umsichtige (= wahlkämpfende) Politiker gar nicht als Segen. Vielmehr wehren sie sich (aufmunitioniert durch die Tatsache, von der furchtlosen Fidschi-Elite ersetzt zu werden) gegen zahllose Verunglimpfungen: „Wir sind keine Weicheier.“ Sie hätten lediglich einen Abzugsbefehl befolgt. Punktum.
Millionär
Die Wiener werden von alldem wenig mitbekommen haben. Die hatten laut Österreich anderes zu tun. „Ganz Wien sucht den neuen Lotto-Millionär“ titelte das Blatt. Um auf der nächsten Seite wissen zu lassen: „Ganz Wien steht derzeit im Stau“. Das nennt man Paradoxon.
Als der Gewinner der 9,2 Millionen € aufgetaucht war, ließ die Zeitung Herrn Engelhart von den Lotterien sagen: „Ein paar Frauen wollten gerne den Namen des Gewinners erfahren“. Woraus sich zwangsläufig die Seite-1-Schlagzeile ergibt: „Alle wollen den Lotto-Millionär heiraten“.
Eine erfreuliche Nachricht zum Schluss. Der Musiker Andreas Gabalier wird zum Testimonial für ein Wurst-Fabrikat und kann sich vorstellen, Österreich beim Song Contest zu vertreten. Das wiederum nennt man Synergieeffekt.