Schwan gehabt
Bist du adelig?
In den Räumlichkeiten des Amalthea-Verlags hat einmal Friedrich Freiherr von Schmidt gewohnt.
Eine Schwere liegt über den dunkel getäfelten Zimmern, kein Hauch von Historismus, sondern ein tobender Orkan, mitten drinnen der Autor des neu erschienenen Buches: " Schwan drüber".
Im ersten Moment will man an eine Publikation aus dem Bereiche Flora und Fauna denken, im zweiten Moment ist man sich dessen sicher. Magister Christoph Wagner-Trenkwitz, Volksopernfex und verdienter Doyen der Opernballkommentatoren, schreibt über die kauzigsten Vögel aus dem Theaterfundus, die Alphatierchen auf Dirigentenpulten, die Lemuren in Direktionsbüros und über sich selbst, dem seltsamsten Geschöpf der Theaterwelt.
Dutzende Geschichten ranken sich um seine Herkunft und als Magister Wagner-Trenkwitz nun in den Zimmern des Amalthea-Verlages auf Dieter Chmelar stieß, konnte sich dieser nicht zurückhalten, der jahrelang aufgestaute Druck entlud sich, er sah Wagner-Trenkwitz tief in die Augen und sagte: "Bist du adelig?"
Wagner-Trenkwitz zuckte zusammen wie ein Murmeltier, das man verfrüht des Winterschlafes entrissen hat.
Es wäre schade, das Mysterium um seine Blaublutkonzentration zu enttarnen, ob Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer oder doch Bettelmann, sein Buch ist voller Witz, man muss es empfehlen. Allein wegen der Begegnungen mit Ioan Holender (Seite 10, 16, 27, 46ff, 48, 79, 85, 122, 228), Charles Dickens (228) und Karl dem Großen (118). 118 war jene Seite, die ich als Erste aufschlug, jedoch enttäuscht zurückprallte: Es geht um den Kaiser.
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