Meinung/Kolumnen/Chaosdeluxe

Slogan: Arrested Development

Die Budelianer erzählen sich nach zwanzig Jahren noch immer die gleichen Geschichten.

Polly Adler
über männliche Entwicklungsverweigerer und den Triumph der Gerechtigkeit .

Manchmal, wenn ich durch die Innenstadt streife, erfasst mich ein Zustand, den man am treffendsten mit Déjà-vu-Paranoia bezeichnen könnte. Denn an den „Budeln“ diverser Lokale stehen dieselben Typen wie vor zwanzig Jahren – inzwischen etwas müde um die Hüften; ihre einstigen Wuschelmähnen erinnern an Salzburger Schnürlregen, so grau und dünn sind sie geworden. Was nicht schlimm wäre, denn man selbst hat ja auch schon einmal frischer in die Welt geschaut. Das wirklich Erstaunliche ist, dass diese Budelianer sich nach zwanzig Jahren noch immer die gleichen Geschichten erzählen. Zwar haben sich auch Alimente-Lamentos und Bandscheibenvorfällchen darunter gemengt, aber generell rennt noch der gleiche „bochene“ Schmäh wie in jener Zeit, als das Wort Vorsorge in unserem Wortschatz höchstens mit Getränkevorräten assoziiert wurde. „Arrested Development“ hieß einst eine Band und der Name könnte auch über diesen Jungs flimmern. Frauen kommen bei den Budel-Herren meist in Zusammenhang von Ärger oder drastischen Körperproportionsanalysen vor. „ Hearst, hast die g’sehen? Die hat ja an Oarsch wie a Leberkässemmel um 5.000 Euro!“ – „Voll. Aber die Prinzessin Lederstrumpf da drüben kann bald probeliegen gehen am Zentralfriedhof.“ Als ich unlängst einer solchen „AD“-Konversation lauschte, wurde ich belohnt. Ein einst stadtbekannter Schwerenöter und quasi „last man one-night-standing“ erzählte von einer Spontan-Kopulation mit einer Unbekannten und dem Morgen danach: „Sag i zu ihr nach dem Duschen: Hearst Schatzi, was is’ mit du? Jetzt bist noch immer net weg! Hast ka Arbeit? Dreht sie de original um und sagt: Na, weil i bin schon in Pension ... Oidaaa!“ Selten machte jenes häufig inflationär zum Einsatz gebrachte Zusatz-Substantiv so viel Sinn wie in diesem Zusammenhang.

www.pollyadler.at

polly. adler[at]kurier.at

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