Jein zur Beschneidung - irritierend!
Gefangen zwischen den Grundrechten. Auf der Suche nach einer Wahrheit in einem rechtlich-moralischen Zweifelsfall.
Für die einen ist es kaum mehr als eine Sommerloch-Erregung, für die anderen eine längst notwendige Debatte. Für mich ist die Thematik der Beschneidung von Buben vor allem eines: Eine Irritation.
Denn ich habe dazu keine klare Meinung. Und das macht mich ebenso nachdenklich wie die Diskussion selbst.
Das wiederum mag für die einen ein (Journalistisches) Armutszeugnis sein, für die anderen vielleicht der Ausdruck jener ehrlichen Orientierungslosigkeit, die manchmal sein darf. Ich bemühe mich ja, Ordnung in meine Gedanken zu bringen, nur: Die Komplexität der rechtlichen und moralischen Vernetzung gestaltet sich zu einer Herausforderung, der ich nicht gewachsen bin. Noch nicht.
In den vergangenen Tagen und Wochen haben sich zur Beschneidung alle erdenklichen Instanzen und Experten gemeldet. Die Zeitungen sind voll mit Kommentaren und Analysen, im Fernsehen laufen Reportagen und Talkrunden, die Tonart reicht allerorts von hysterisch und aggressiv über polemisch und zynisch bis sachlich und aufklärend. Nur: Das hilft mir nicht weiter.
Keine Radikalität
Ich google "Beschneidung" und verliere mich. Ich bin gefangen zwischen dem Grundrecht auf Religionsfreiheit und jenem auf körperliche Unversehrtheit. Und immer dann, wenn ich die einen Argumente für mich abnicke, lassen mich die anderen wieder zweifeln. Sie alle hier aufzuzählen, erscheint mir überflüssig. Sie sind bekannt.
Seit Tagen will ich dazu bloggen, um mich im spannenden Weltbild-Diskurs den Kontrahenten zu stellen. Statt dessen gebe ich hier zu: Mir fehlt die Radikalität für einen eindeutigen Standpunkt. Ich kann bestenfalls definieren, wie ich es in meinem (Privat-)Leben machen würde. Aber das ist einfach und hat keine gültige gesellschaftliche Relevanz.
Darüber hinaus bin ich auf der Suche nach Haltung mutlos. Und das gefällt mir am allerwenigsten daran.
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