Ohnmachten können ein Warnzeichen sein
Prim. Dr. Reinhard Preusser ist Vorstand der Zweiten Internen Abteilung im St.-Josef-Krankenhaus der Vinzenzgruppe in Wien-Auhof
Wie häufig ist kurzfristige Bewusstlosigkeit?
Vier von zehn Personen erleben zumindest ein Mal eine kurze Bewusstlosigkeit (Synkope). Auslöser eines solchen Kreislaufkollaps ist eine vorübergehende Unterversorgung des Gehirns mit Blut und Sauerstoff. Viele Ursachen dafür sind harmlos, etwa niedriger Blutdruck und Puls, wie sie häufig bei Jugendlichen vorkommen.
Wie kann man nachweisen, dass „nur“ der Kreislauf die Ursache ist?
Die betreffende Person legt sich hin, nach fünf und zehn Minuten werden Blutdruck und Puls gemessen. Wenn es anschließend nach dem Aufstehen zu einem starken Blutdruckabfall und Pulsanstieg kommt, spricht das für eine kreislaufbedingte Ursache. Wichtig für eine umfassende Abklärung sind auch ein neurologischer Befund (mit EEG) sowie eine kardiologische Untersuchung mit Echokardiografie (Herzultraschall).
Was kann noch zu Bewusstlosigkeit führen?
Herzrhythmusstörungen können zu kurzzeitigen Herzstillständen führen, dies erhöht das Risiko für schwere Folgeerkrankungen. Ab einem Stillstand von drei bis vier Sekunden wird man bewusstlos. Das Alarmsignal Nummer eins ist ein Kollaps im Sitzen – wenn man plötzlich kurzfristig zusammensackt und weggetreten ist. Bei einem Verdacht auf eine Rhythmusstörung macht man als ersten Schritt eine Basisuntersuchung mit einem EKG (Messung der elektrischen Herzaktivität). Ist dieses nicht aussagekräftig, ist der zweite Schritt ein Langzeit-EKG mit einem tragbaren Gerät. Das ist maximal eine Woche lang möglich.
Und wenn sich auch da nichts Auffälliges zeigt?
Eine Herzrhythmusstörung kann auch in Abständen von mehreren Wochen auftreten. In diesen Fällen empfehlen wir eine Herzmonitor, einen sogenannten Loop-Recorder. Dieses mobile EKG-Gerät in der Größe eines Daumens wird auf der linken Seite des Brustkorbs unter die Haut geschoben. Bis zu drei Jahre lang kann es den Herzrhythmus 24 Stunden täglich überwachen – und alle Unregelmäßigkeiten aufzeichnen. Alle drei Monate – oder wenn der Patient eine Ohnmacht bewusst wahrgenommen hat – werden im Spital die aufgezeichneten Daten ausgelesen.
Welche Therapie wird angewandt, wenn eine Rhythmusstörung zu längeren Herzstillständen führt?
In diesen Fällen muss ein Herzschrittmacher eingesetzt werden, der das Herz im Ernstfall wieder in den Takt bringt. Unser Team an der Synkopenambulanz mit Oberärztin Maria Heger und Oberarzt Christian Aiginger hat seit März 2010 bei 36 Prozent der Patienten mit Loop-Recorder eine Diagnose für einen Herzschrittmacher gestellt, die Patienten sind damit beschwerdefrei.
Dr. Preusser am Tel. (01/526 57 60): Mi., 30. 10., 13 bis 14 Uhr, Anfragen per eMail: gesundheitscoach@kurier.at