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Psychisch krank von Beruf © Bild: © by EINMALIGES GASTSPIEL
Psychisch krank von Beruf
05.12.2011

Psychisch krank von Beruf

In der Theater-Performance "TraumaCity" im Wiener Kabelwerk schlüpfen Schauspieler in Rollen von Patienten. Wie das ist, erfahren Sie hier...

Sie sind psychisch krank; und zwar von Beruf. Hagnot Elischka und seine Schauspieler sind Simulierte Patienten, wie es im Fachjargon heißt. An der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) simulieren sie unterschiedliche Krankheitsbilder wie Schizophrenie, Depression oder Alkoholismus für Studenten. Die für das AKH erarbeiteten Rollenbilder sollen in der bereits zweiten Theaterperformance der Gruppe Einmaliges Gastspiel einem größerem Publikum zugänglich gemacht werden. Durch die Übersetzung in ein künstlerisches Medium, möchte die Theatergruppe Realität begreifbarer machen.

Doku-Performance

© Bild: © by EINMALIGES GASTSPIEL

Nach "Psychiatrie!" ist " TraumaCity" eine weitere Doku-Performance von Produzent und Schauspieler Hagnot Elischka. "TraumaCity" will den Blick öffnen: Auf besondere seelische und intellektuelle Bewältigungsmechanismen und deren zeitweiliges Scheitern. Im Oktober gibt es eine Wiederaufnahme von dem Stück, das im Juni bereits Premiere hatte. Wir haben Hagnot Elischka dazu befragt.KURIER.at: Wie war es für Sie, in die Rolle psychisch Kranker einzutauchen? Eintauchen ist dafür eine äußerst treffende Bezeichnung. Anfangs, um uns die Struktur psychischer Krankheiten begreifbar zu machen, wurden wir zur Befragung unterschiedlicher Patienten mitgenommen. Damals ging es mir sehr schlecht, ich hatte nicht gewusst, wie schicksalhaft und ausweglos die meisten Krankengeschichten sind. Ich benötigte wirklich Hilfe, Gespräche mit unseren Trainern, um wieder in den Tritt zu kommen.Was löste diese Begegnung bei Ihnen aus? Das Kennenlernen dann mit den Kranken, deren Doppelgänger ich werden sollte, war ausnahmslos faszinierend und gut. Ich bekam dann auch Theoretisches zu den einzelnen Krankheitsmustern, lernte die Biographie und die Krankheitsgeschichte kennen und war bei allen Befragungen durch den behandelnden und uns trainierenden Psychiater dabei. Ich durfte auch zweimal mit dem jeweiligen Patienten alleine sein, und dabei wurden mir auch andere Lebensschwerpunkte erzählt als den behandelnden Ärzten. So etwas beeinflusst einen sicher nachhaltig, oder? Da das Training pro Krankheit etwa neun Monate dauerte, konnte ich, neben dem ganzen kognitiven Wissen, stressfrei, abrufbare Gefühle der Krankheitszustände in mir entwickeln. Ich lernte an den beiden Ärzten, die das Projekt geschaffen hatten und uns betreuten und trainierten, eine ungeahnt schöne humane, respektvolle und freundliche Haltung zu den Patienten - und auch zu den Gesunden, die mich bis jetzt beeinflusst hat. Insofern hatte das Eintauchen in diese Krankheiten als Nebeneffekt eine positive Entwicklung für mein weiteres Leben und meinen eigentlichen Beruf eingeleitet.Was sind die Gefahren? Anfänglich war ja den Ärzten nicht klar, wie Schauspieler Rollen in sich aufbauen und auch, wie stabil der Zustand unseres Seelenlebens sei. Es gab daher eine schriftliche Vereinbarung, dass, sollte uns seelischer Schaden entstehen, wir der fachmännischen Hilfe der beiden Professoren sicher sein könnten. Hat Ihnen das Angst gemacht? Angst hat mir das damals nicht gemacht - das Projekt war schon von mir in seiner Tragweite bis in meine Weltsicht hinein als wichtig und wesentlich und unverzichtbar erkannt worden.Ursprünglich war das Projekt für Medizin-Studenten gedacht... Unsere Krankendarstellungen werden in je einem Block pro Semester angeboten. Es hatte sich gezeigt, dass eine lockere Aufteilung über das gesamte Studienjahr zu belastend für uns geworden wäre. In der Zeit, in der ich diese Patienten beim Befragungstraining für Medizinstudenten und Jungärzte darstelle, bin ich naturgemäß ziemlich aufgewühlt, denn ich muss ja diese Zustände an die Oberfläche holen und mich total offen halten, um jederzeit im Sinne der Krankheit zu reagieren und auch antworten zu können.Hat die Rolle auch ihre Reize? Der Reiz der Arbeit ist, dass ich auf sehr spannende Menschen gestoßen bin, denn bis vor Kurzem war die Teilnahme der StudentInnen und Jungärzte an diesen Blockseminaren freiwillig. Und freiwillig melden sich zu einem Kommunikationstraining erfahrungsgemäß fast nur Menschen mit einem gewissen Ethos und einem positiven Interesse an Qualitätssteigerung. Die Ekelhaften und Widerlinge haben ja schon eine feste Meinung von ihrer Qualität und wie sie mit Patienten und Untergebenen umspringen werden - und meiden solche Angebote. Die Schauspieler Eva Linder, Gabriela Hütter, Hagnot Elischka, Judith Humer, Katrin Kröncke sind allesamt ausgebildete Schauspieler. Sie haben keine Lehrbücher auswendig gelernt, sondern haben echte Biographien von Menschen, die Schreckliches erlebt haben, als Vorlage genommen.

Publikumsfeedback

"Du meine Güte, was habt ihr da mit uns gemacht? Ich war nach der Vorstellung wie durchgeknetet und es ging mir hervorragend. Ihr müsst diesmal wieder echte Kapazitäten als Berater gehabt haben. Kein Makel!", beschrieb Albert R. seine Eindrücke nach der Vorstellung. Auch Dr. Erika E. zeigte sich begeistert: "Ich weiß, das klingt irgendwie enthusiastisch und scheint mir gar nicht adäquat Ihrem Stil, aber ich habe so Vieles an Anregungen und Fragen bekommen (ich arbeite als Psychologin in einer Klinik), das ich noch lange mit meinen Leuten bereden werde müssen + können." "Ich war bei der Premiere, das ist wirklich stark - und trotz dieses Inhalts auch irgendwie poetisch und stellenweise sogar witzig. Da schwingt zusätzlich auch generell eine Erzählung über die Fragilität der menschlichen Existenz mit, finde ich. - Was ja wohl uns alle betrifft", so Franz A.

Info

Zu sehen ist die Vorstellung am 10. und 11. Oktober im Wiener Palais Kabelwerk, Oswaldgasse 35A, 1120 Wien, Beginn: 20 Uhr. Kartenvorbestellung unter: einmaligesgastspiel@gmx.net oder Tel. 01 596 75 65

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